Teil eines Werkes 
2. Bd. (1855)
Entstehung
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14 Zwölftes Kapitel.

freut ſich, am Horizont die prächtige Bergkette des Guadarrama zu ſehen mit ſeinen von Schnee glänzenden Kuppen, an deſſen Fuß geſchmiegt der Escorial liegt. Etwas freundliches hat übri⸗ gens dieſer Anblick nicht, er iſt ernſt und gewaltig. Das hüge⸗ lige Land, dunkel gefärbt, hie und da mit gelben und röth⸗ lichen Streifen zeigt ſo von weitem keine Spur irgend eines Lebens. Dörfer oder einzelne Wohnungen ſieht man nicht, ebenſo wenig Bäume oder Sträucher, nur ein nackter Hügel liegt einförmig neben dem andern, und am Horizont der weiten Fläche ragt das dunkle Gebirge empor mit ſcharfen Zacken und tiefen Schluchten, ſelbſt im Licht der Sonne wohl majeſtätiſch, aber finſter und ernſt.

Ganz in Harmonie mit dieſer Landſchaft, zumal von der Nordſeite geſehen, iſt der an der Stelle des alten Alcazars der Mauren erbaute königliche Reſidenzpalaſt, von deſſen Vorhof aus wir dieſes melancholiſche Gemälde betrachten, ein ungeheu⸗ res Viereck im Charakter des Palaſtas von Caprarola bei Rom; ſeine Architektur iſt ſtreng, wenn auch in den Einzelnheiten etwas verſchnörkelt. Auf dem in derben Formen ausgeführten untern Stockwerk iſt rings um das Gebäude her bis zum oberſten Ge⸗ ſims die gewaltige Maſſe durch eine an die Wand angelehnte Co⸗ lonnade gegliedert, die an den vier Ecken ſtärker hervortritt, breite aus Granitquadern erbaute Terraſſen und weite Durchfahrten, die auf den Vorhof führen, erſtrecken ſich zu beiden Seiten des letzten nach der Armeria Real, der großen königlichen Waffen⸗ ſammlung, die an ſeinem dem Schloß gegenüber liegenden Ende den weiten Platz abſchließt. An dem dem Thal zugewendeten Terraſſenflügel wird immer noch, aber ſehr langſam gebaut, und der Fuß deſſelben ſowie die Subſtructionen des Schloſſes ſelbſt ver⸗ lieren ſich auf dieſer Seite in ein Chaos halbfertiger gewaltiger Mauern. Die Nordſeite, den entferntern und viel tiefer liegenden, ausgedehnten Baulichkeiten des Marſtalls zugewendet, greift mit ihrem maſſenhaften Unterbau tief neben den umliegenden Straßen hinab, und macht den Eindruck einer feſten Burg; nur Schade,