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Madrid. 9
läden befinden, gar zu unbedeutend für ſein Renommee und ſeinen ſtolzen Namen Puerta del Sol— Sonnenpforte.
Um das Jahr 1520 war hier noch eine wüſte leere Stätte, damals noch vor den Mauern der Stadt, welche wenig Schutz gewährten vor den zahlreichen Räuberbanden, die in den umlie⸗ genden Wäldern hausten und die Stadt häufig überfielen. An dieſer Stelle baute man zur Abwehr gegen ſie ein kleines Fort, deſſen öſtliches Thor mit einer Sonne geſchmückt war. Obgleich nun Thor und Sonne längſt verſchwunden ſind, hat ſich doch der Name bis auf den heutigen Tag erhalten. Was nun den Platz ſelbſt anbelangt, ſo iſt er für die Madrider Bevölkerung von gro⸗ ßer Wichtigkeit; hier finden Rendezvous im großartigſten Maßſtab ſtatt, in ruhigen Zeiten tauſcht man Anecdoten und Neuigkeiten aus, welche indeſſen meiſtens mit der Politik zuſammenhängen; in unruhigen Tagen finden hier die ernſten Beſprechungen ſtatt, in deren Folge denn auch die meiſten Aufſtände an der Puerta del Sol losbrechen. Wie ſchon geſagt, münden hier ſechs Haupt⸗ ſtraßen der Stadt, von denen die Alcalà mit ihrer Fortſetzung der Calle Mayor, die bis zum Schloßplatz geht, die Stadt in zwei Hälf⸗ ten theilt und die Hauptader Madrids genannt werden kann. Die Carrera San Geronimo, die Calle de la Montera und de Carretas, voll Läden und Buden, leiten den Lebensſtrom der beiden gewal⸗ tigen Stadthälften hieher und in der Winterszeit Mittags zwiſchen zwölf und zwei Uhr ergießt ſich aus all dieſen Straßen eine wahre Fluth von Wagen und Fußgängern auf die Puerta del Sol, welche in der Tiefe liegt und, wie ein Thal durch herabſtürzende Waſſer⸗ bäche, bald angefüllt und überſchwemmt iſt, und Mühe hat, die brauſenden Maſſen in andere Straßen abzuleiten.
Das Gewühl hier iſt oft geradezu komiſch anzuſehen, und Jemand, der Eile hat, geräth in Verzweiflung, da es ihm nur möglich iſt, ſich langſam fortzuſchieben. Dicht gedrängt ſtehen Hau⸗ fen plaudernder Männer an den Häuſern, den Mantel maleriſch umgeſchlungen, die Cigarre im Munde. Lachend winden ſich einzelne Damen hindurch und halten ſich nur mit Mühe auf dem Trottoir


