Teil eines Werkes 
1. Bd. (1855)
Entstehung
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Ein Uitt durch die Mancha. 343

dem Langweiligſten, was der Menſch unternehmen kann. Stunden⸗ lang lief ſie vor uns her, ſchnurgerade, ohne weitere Abwechs⸗ lung, als daß wir jetzt auf einem Damme ritten und in die lang⸗ weilige Gegend ſchauen konnten, und daß wir gleich darauf zwiſchen die hohen Wände eines Einſchnitts trabten. Einen Baum oder auch nur einen Strauch hatten wir lange nicht mehr geſehen, eine menſchliche Wohnung war für uns zur Fabel geworden, und eine kleine Brücke, ein Waſſerdurchlaß oder eine Biegung des Bahn⸗ dammes war eine Erſcheinung, die wir freudig begrüßten.

Der Gitano hatte uns für die Hälfte des Weges eine Raſt verſprochen; dort ſei eine Venta, wo wir vielleicht ein gutes Feuer finden würden. Und wir ſchmachteten nach einem guten Feuer. Der heftige Wind, unſer Begleiter ſeit Valencia, den wir im Wagen und geſtern zu Fuß ſchon ſtark geſpürt hatten, war heute, da wir ſo ruhig in dem Sattel ſaßen, wahrhaft unausſtehlich. So zogen wir, auf die Venta hoffend, dahin, die Maulthiere gingen in einem guten Trabe, unſer Humor war gerade nicht ſchlecht hatten wir doch endlich die Reitpartie errungen, waren in Spanien und ritten gegen Madrid, geſund und wohl, voll Appetit. Trotz Kälte und Wind beneideten wir unſeren Baumeiſter nicht mehr um ſeinen Platz im Eilwagen; ſich ſo im Sattel zu wiſſen, wenn auch nur auf einem Maulthiere, war doch ein ganz anderes Ge⸗ fühl. Und dazu noch unſere eigenthümliche Tracht: die Manta maleriſch umgeſchlungen, den caſtilianiſchen Hut keck auf den Kopf geſtülpt, im Gürtel das Meſſer, das bei jedem Schritte klirrende Gewehr am Sattel wir hielten uns wahrhaftig ſchon für ganz andere Menſchen, als die, welche noch vor ein paar Tagen mit Reiſemütze und Pelzſtiefeln im Eilwagen geſeſſen; wir ſchrieen zu⸗ weilen aus voller Bruſt ein lautes Hurrah und wünſchten in unſerem Uebermuthe irgend ein kleines Abenteuer à la Don Quirote.

Endlich wurde auch die Venta fern am Horizonte ſichtbar, aber wir kannten ſchon genugſam die täuſchenden Entfernungen