336 Elftes Kapitel.
und Tänzer und Tänzerin kehrten laut lachend, als habe ſie die Sache durchaus weiter nicht berührt, an ihre Plätze zurück.
Und ſo iſt es auch in der That bei dieſen ſpaniſchen Tänzen; man führt im Allgemeinen die Figur und Bewegung, welche der Tanz vorſchreibt, ohne Prüderie, ohne Ziererei aus, und vor allen Dingen, ohne etwas Schlimmes dabei zu denken. Ich habe ſpäter Fandango und Madrilena von jungen, gewiß ganz unſchuldi⸗ gen Mädchen tanzen ſehen, die es durchaus nicht vergaßen, die Biene von ihrem Röckchen abzuſchütteln, und dabei ihre kleinen zierlichen Waden bis zur Hälfte zeigten— eine Sache, die ihrer Unſchuld und ihrem Anſtande gewiß keinen Eintrag that; denn als der Tanz beendigt war, ließen ſie ſich beſcheiden an ihren Platz zurück⸗ führen und ſaßen da mit niedergeſchlagenen Augen, lieb und un⸗ ſchuldig wie früher.
Obgleich der Ball noch nicht zu Ende zu ſein ſchien, ſo dach⸗ ten wir doch an morgen und zogen uns langſam aus dem Kreiſe zurück nach unſerem Zimmer, wo mittlerweile noch ein zweites Bett für meinen großen Maler hergerichtet worden war. Vor Allem nahmen wir jetzt mit dem Wirthe wegen unſeres morgen⸗ den Fortkommens Rückſprache. Der Karren hatte gänzlich unſere Gunſt verloren und da es auch nie in unſerer Abſicht gelegen, auf ſo höchſt proſaiſche Art durch Spanien zu ziehen, ſo nahmen wir mit großer Bereitwilligkeit das Anerbieten des Wirthes an, uns zwei tüchtige Maulthiere zu geben, ſowie einen Knecht, der uns beide Tagereiſen bis nach Tembleque begleiten ſollte. Der Preis, den er verlangte, war nicht hoch; ſo wurden wir bald einig, legten uns zu Bett und entſchliefen in kurzer Zeit unter den noch immer von Weitem herübertönenden Klängen der Guitarre und der Caſtanuelos.
Um Sechs waren wir bereits munter, warfen uns in die Kleider und gingen, eine Chocolade an dem Herd einzunehmen. Doch ſah es hier ganz anders aus als geſtern Abends. Das ge⸗ müthliche Feuer mit ſeiner blendenden Helle fehlte, nur einige


