334 Elftes Kapitel.
Ballet ſo originell, ſo amuſant, daß wir unter lautem Gelächter und mit dem größten Vergnügen zuſchauten.
Ich weiß den Namen des Bolero nicht mehr, den ſie tanz⸗ ten, doch beſtand er aus einer Menge verwickelter Figuren, wozu Tänzer und Tänzerinnen und ich muß geſtehen, vor Allen die blonde Viehmagd, ihre Füße ſo kunſtgerecht ſetzten, als hätten ſte es von einem tüchtigen Balletmeiſter erlernt. Die Muſik ging übrigens immer geſchwinder, begleitet von dem wirbelnden Knacken der Caſtagnetten; die Tanzenden erhitzten ſich offenbar und wan⸗ den ſich ſchlangenartig hin und her, bald den Kopf bittend ge⸗ ſenkt, bald ihn drohend in die Höhe geworfen. Dabei gingen die Hände vor und zurück, meiſtens in taktmäßiger Bewegung. Ich kann nicht läugnen, daß eine Spur vom franzöſiſchen Cancan darin zu finden war. Der Spektakel wurde noch vergrößert durch das Händeklatſchen der am Feuer Sitzenden, durch Zungenſchnal⸗ zen und durch aufmunterndes, ſowie Beifalls⸗Geſchrei.„Ole! Ole! Salero!“ rief bald Der, bald Jener, und ſo wurden Tänzer und Tänzerinnen ſo lange geſteigert, bis ſie am Ende nicht mehr konnten und tief athmend, aber lachend auf ihre Plätze zurück⸗ fielen. Für uns war die ganze Scene neu und höchſt intereſſant; es war nichts Gemachtes oder Vorbereitetes, Alles improviſirt, ſo recht aus dem Volksleben, voll natürlicher Wildheit und dabei doch nicht ohne Grazie.
Nach kurzem Ausruhen fingen übrigens Guitarre und Ca⸗ ſtagnetten wieder an und laut und ſtürmiſch wurde Precioſa um den Fandango gebeten. Anfänglich achtete ſie gar nicht darauf; ja, ſte zuckte mißmuthig die Achſeln und warf den ſchönen Kopf trotzig in die Höhe, worauf der junge Burſche, der vorhin ange⸗ fangen, lachend vor ſie hinſprang und den genannten Tanz, ihn gewiſſermaßen carrikirend, auf eine ſo komiſche Art begann, daß Alles laut hinauslachte, das Mädchen ebenfalls; dann ſprang ſie plötzlich in die Höhe, zog ihre Caſtagnetten feſter an, drückte das Mieder in die ſchlanke Taille hinab, hob ſich aus den Hüften her⸗


