314 Elftes Kapitel.
Unterhaltung mit ihnen geführt, wenn wir nur nicht ſo wenig vom Spaniſchen gewußt hätten; nur was ſich auf Eſſen und Trinken bezog, brachten wir halbverſtändlich heraus, im Uebrigen aber behalfen wir uns mit Italieniſch und ſehr ſinnreichen Pan⸗ tomimen, in denen wir es jedoch ſchon im Laufe der nächſten Tage zu einer ſolchen Fertigkeit brachten, daß wir, nicht ohne die Bei⸗ hülfe eines franzöſtſch⸗ſpaniſchen Vocabulaire, über Mineralogie, Geographie und über den Türken⸗ und Ruſſenkrieg eifrige Unter⸗ haltungen pflogen.
Als unſere Chocolade fertig war, zog ich meine Uhr hervor und ſah, daß es Mitternacht war, alſo jener Zeitpunkt, wo das alte Jahr Abſchied nimmt und das neue ſein Regiment antritt. Für uns war dieſer Wechſel dieſes Mal vielleicht bedeutungsvoller, als der mancher früherer Jahre. Nicht nur, daß wir eine weite und vielleicht auch gefährliche Reiſe vor uns hatten, ſondern wir waren auch in der heutigen Nacht vom geraden und breitgetre⸗ tenen Pfade abgewichen, um uns auf eigene Fauſt und mühſam auf ſchlechten Wegen dem erſehnten Ziele zu nähern; und wie wir ſo, nicht unbehaglich, am Kaminfeuer ſaßen, waren wir erfreut über unſeren Schritt und gratulirten uns, dem maulthierlenkenden Mayoral mit ſeinem ſtoßenden Wagen entronnen und gewiſſer Maßen wieder die eigenen Lenker unſeres Schickſals geworden zu ſein; in dieſem Augenblicke ſchlugen auch draußen die Glocken die Mitternachtsſtunde, und mit ſpaniſcher Chocolade tranken wir auf das Wohl unſerer Lieben, ſo wie der Freunde zu Hauſe, und ich vergaß dabei nicht, einer theuren Genoſſenſchaft in der Heimath ein fröhliches„Glück auf!“ zuzurufen.
Da wir den andern Morgen ſo früh wie möglich La Roda verlaſſen wollten, ſo erholten wir uns bei unſeren Wirthen Rathes, ob wohl in dem Städtchen Reitthiere zu bekommen ſeien. Doch meinte der Sohn, es werde auf morgen früh ſchwer halten, er hielt es überhaupt für beſſer, wenn wir zur Reiſe nach unſerem nächſten Nachtquartier Villarrobledo uns eines einſpännigen


