Teil eines Werkes 
2. Bd. (1860)
Entstehung
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Er küßte ihr freundlich und dankbar die Hand, welche ſie in der ſeinigen ruhen ließ, worauf Thereſe fortfuhr:

„Früher ſtand dort ein ruinenhaftes Gebäude, welches vor langen langen Jahren von einem aus der Familie Duvallet erbaut worden. Nachdem aber dieſe Familie während der Revolution verarmte und die wenigen Ueberlebenden derſel⸗ ben auswandern mußten, ging es in andere Hände über, und erſt der Commerzienrath kaufte das ganze Terrain wieder zuſammen und ließ das neue Schloß erbauen, wie es jetzt daſteht. Es wird Dir gefallen, Ferdinand, obgleich es eine ganz andere, neuere, ja man könnte ſagen freund⸗ lichere Einrichtung hat als der Landſitz des Freiherrn von Molitor.— Gleich ſind wir da; jetzt ſenkt ſich ſchon der Weg, dann erreichen wir eine Brücke mit einem alten Thorbogen, der von der frühern Zeit noch übrig geblieben iſt und hinter welchem ſogleich der Park anfängt.“

So war es denn auch; noch einige Minuten und die Hufe der Pferde klirrten auf dem Pflaſter, womit die alte Brücke bedeckt war. Aber nur wenig Augenblicke, dann hörte man den Wagen dumpf unter dem breiten Thorbogen rollen, worauf die Räder ſo ſanft über weichen Sandboden dahin glitten, daß ſich der Wagen auf ſeinen Federn or⸗ dentlich angenehm ſchaukelte. Schon die Anlage hier zeigte, wie auch Madame Stifter vorhin geſagt, daß das neue Schloß in einem ganz andern Style angelegt ſei als die nachbarliche Beſitzung. Hier waren es breite Wege, wohl auf beiden Seiten mit Gebüſch beſetzt, doch keine düſteren Laubgänge bildend, welche den Wagen aufnahmen, und ſanft, faſt unmerklich aufwärts führten. Obgleich das Mond⸗ licht ziemlich hell eindrang, ſo war doch auch hier für Be⸗ leuchtung geſorgt, aber ſtatt des lodernden Pechs in alten Eiſenpfannen ſah man auf ſchlanken Kandelabern zierliche, hellſtrahlende Gaslaternen. Mehrmal wand ſich der Weg