Nachwirkung dunkler Stunden. 251
dort in einer Fenſterniſche ſtand, wo ſie die Rückkunft der Freundin erwartete, das Herz voll banger Betrachtungen und beſchäftigt mit dem ſo wahren Worte, daß die Stunden ſich folgen, aber nicht einander gleichen.—
Um nicht dem Verlaufe unſerer wahrhaftigen Geſchichte unziemlicher Weiſe vorzugreifen, müſſen wir uns vorläuſig enthalten, das Endreſultat der Unterredung zwiſchen der Wittwe Speiteler, ihrem Schwiegerſohne und dem Dr. Berger hier mitzutheilen. Daß dies aber für Dr. Henderkopp kein ganz ungünſtiges war, können wir aus den Worten des Advocaten allenfalls ahnen laſſen, denn als er ſeine Papiere zuſammenpackte und in die Bruſttaſche ſchob, ſagte er:„Sie werden mir kaum glauben, wenn ich Ihnen die Verſicherung gebe, daß ein gütlicher Vergleich, wie er bei uns in Ausſicht ſteht, mir weit lieber iſt, als die Ausſicht auf einige fette juridiſche Verhandlungen; und doch, ſetze ich hinzu, es iſt ſo, und ich bin allemal recht froh, wenn ich quaſi als Friedens⸗ richter agirt habe und von meinen Clienten mit dem Be⸗ wußtſein ſcheide, daß ſie mir mit angenehmen Geſinnungen nachblicken. Heute habe ich darin in Ihrem Hauſe einen ganz beſonders guten Tag,“ fuhr er ſanft lächelnd fort,„denn ich muß mich noch ein paar Treppen höher verfügen, zu einem gewiſſen Herrn Bander, dem ich ebenfalls eine ange⸗ nehme Eröffnung zu machen habe.“
„Führt der auch Proceſſe?“ fragte die Wittwe.
„Nicht, daß ich wüßte,“ entgegnete der Advocat;„es handelt ſich hier um etwas Angenehmeres, um eine kleine Erbſchaft, die ihm zugefallen iſt, und die ich ihm in Raten, wie ſie ihm gefällig ſind, anweiſen laſſen darf.“
„Das freut mich für ihn,“ ſagte die Frau vom Hauſe.
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