Dreiundvierzigſtes Kapitel.
Sie lehnte den Kopf an den Buſen ihrer Freundin und weinte bitterlich.
„Tröſte dich, mein liebes Herz,“ ſprach dieſe in ihrer ſanften Weiſe;„wie kann man dich im ſchlimmſten Falle für die Unbeſonnenheiten deines Bruders verantwortlich machen, wenn du nur ſelbſt keine begehſt? Und dann, um ernſthaft mit dir zu reden, Emma, wäre es wahrhaftig beſſer, du ließeſt dieſe Geſchichte ein- für allemal fallen; ſo viel ich erfahren, ohne daß ich darum gefragt, ſoll dieſer Herr von Marlott in der That ſehr leichtfertiger Natur ſein.“
„Ach, du haſt gut rathen, du biſt in ſicherem Hafen, du biſt glücklich!“
„Wenn du das jetzt ſagſt, liebe Emma, ſo haben ſich ſeit Kurzem deine Anſichten gewaltig geändert; weißt du noch, wie du mir nicht lange vor meiner Hochzeit voll Schwärmerei ſprachſt vom Glücke einer romantiſchen Liebe, wo ſich Schwie⸗ rigkeiten aller Art aufthürmen, und von der Seligkeit, dieſe durch treue Liebe und Hingebung zu beſeitigen, und wie du mich faſt bedauerteſt, daß ich ein Bündniß knüpfen müſſe ſo nach gewöhnlicher Art, ja, ohne alle Poeſie?“
„O, ich hatte Unrecht, Sophie! Was wir in thörichter Leidenſchaft für Poeſie halten, verwandelt ſich oft unter unſern Händen in herbe Proſa; in unſerer Verblendung ahnen wir nicht den rauhen Wind, der ſo leicht unſerer Liebe duftige Blüthen abſtreift— gewiß, du biſt glücklich, Sophie! Dr. Henderkopp iſt ein ruhiger, beſonnener Mann, der es gewiß gut mit dir meint und dir eine ehrenvolle Stellung in der Welt gibt.“
„Auch darin ſcheinen ſich deine Anſichten geändert zu haben; weißt du noch, Närrchen, wie du die kalten, blauen
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