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Vierunddreißigſtes Kapitel.
Roſa, ſich angeboten hatte, beim Anziehen der Braut gegen⸗ g
wärtig zu ſein. Letzterer war dies auch doppelt angenehm, 3 denn erſtens kannte ſie die kundige Hand der Gehülfin, und g zweitens liebte ſie deren Perſönlichkeit, ihr offenes energiſches 1 Weſen, ihre vernünftige Art, Sachen und Verhältuiſſe an⸗ 4 zuſchauen. Hatte doch Sophie ihre Mutter dringend gebeten, G ddie Roſa mit zur Hochzeit einladen zu dürfen, hatte ſie ihr 1 ddooch vorgeſtellt, Roſa würde ſich gewiß gut anziehen, ſie ſei d ein ſo hübſches Mädchen und wüßte ſich ſo gut zu benehmen. Dazu aber wollte ſich die würdige Wittwe nicht verſtehen n und antwortete:„Man muß in der Welt Unterſchiede zu ſ machen wiſſen, und wenn es mir auch nicht unlieb war, daß 8 du mit Roſa ſprachſt, als ſei ſie deines Gleichen, ſo haben f wir doch an deinem Hochzeitstage Gäſte, die es dir mit Recht 3 übel nehmen würden, wenn du eine Nähterin mit ihnen an den gleichen Tiſch ſetzen würdeſt.“ l Hatte nun Sophie geglaubt, die Roſa würde erwarten, f von ihr eingeladen zu werden, genug, ſie ſagte ihr während f des Anziehens ein paar Worte, welche wie eine Entſchul⸗ 4 digung klangen, doch küßte die Gehülfin des Schneiders die 1 Braut darauf heiter auf die Stirn und gab ihr zur Ant⸗ wort, daß es ihr unmöglich ſein würde, dem Hochzeitsfeſte beizuwohnen, ſelbſt wenn ſie eine Einladung erhielte.„Es t freut mich,“ ſetzte ſie hinzu,„Sie heute Morgens noch ge⸗ 8 ſehen zu haben, um Ihnen etwas helfen zu können. Wahr⸗ haftig,“ fuhr ſie freundlich lächelnd fort,„Sie ſehen ſehr ſ hübſch aus, Sophie. Mit dem Bewußtſein gehe ich fort, b und bitte Sie noch einmal, meinen herzlichen Glückwunſch annehmen zu wollen.“ Dabei hatte ſie ihr beide Hände ge⸗
reicht, welche die Braut nicht nur haſtig ergriff, ſondern ſich


