———
Achtzehntes Kapitel.
„Wenn auch ein klein wenig Wahrheit in Ihren Wor⸗ ten liegt,“ verſetzte Roſa, die anfing, ſich für den Sprecher zu intereſſiren,„ſo gehen Sie doch von einem falſchen Fun⸗ damente aus, und was Sie als Regel geltend machen wol— len, ſind allenfalls ſpärliche Ausnahmen.“
„Ja, Ausnahmen ſind es,“ rief er enthuſiaſtiſch aus. „Bei Gott, darin haben Sie Recht! Und hier bei dieſem Theater vielleicht nicht einmal Ausnahmen, ſondern nur Eine Ausnahme— Sie, mein Fräulein!“
Roſa hatte den Arm auf ein hervorſtehendes Palmblatt gelegt und den Kopf unendlich anmuthig an denſelben zurück— gelehnt. Dann ſagte ſie lächelnd in freundlichem Tone:„Ich wäre wahrhaftig geneigt geweſen, Sie den erſten Worten nach auch für eine Ausnahme von der hieſigen Regel zu halten, aber nun fallen auch Sie auf einmal in den alten bekannten Ton zurück. Das müſſen Sie vermeiden, wenn wir künftig zu⸗ ſammen plaudern ſollen.“
In ſeinem Auge flammte es auf, er richtete ſich empor und indem er die Hand auf ſein Herz legte, gab er zur Ant— wort:„Ich bin vom Stamme der Ulemas, mein Fräulein, denen etwas prophetiſche Gabe zugeſchrieben wird. Wenn ich nur gewußt hätte, daß Sie mir auf meine, wenngleich wahre, doch etwas triviale Bemerkung die Antwort geben würden, ja, wenn ich dieſe Antwort heiß gewünſcht hätte—“
„Und was würden Sie dadurch gewinnen?“ fragte die Tänzerin nicht ohne Theilnahme in Blick und Stimme.
„Die entfernte, mich beglückende Hoffnung, vielleicht ſpäter noch einmal mit Ihnen reden zu dürfen,“ ſagte der Ulema, indem er ſich verneigte, leiſe, aber doch verſtändlich. In dieſem Augenblicke ſegelte Herr Bärenſtecher um die
—


