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Errichtung eines ländlichen Theaters. 295
Herr Wellen und Herr Müller begrüßten die Frau und die Schwägerin des Direktors und wurden hierauf dem Bruder des letzteren, ſowie dem Heldenſpieler, Herrn Holder, vorgeſtellt.
Dieſer war ein großer, kräftiger Mann und einſtens inte⸗ reſſant, ja ſchön geweſen; doch hatten die Jahre und wildes Leben ſeine Geſtalt gebeugt, und das Leiden, von dem der Direktor vorhin der Wirthin erzählt, ſeinem Geſichte einen unſtäten, ja einen unheimlichen Ausdruck verliehen. Sparliches Haar bedeckte ſeine hohe Stirn; ſeine Geſtchtsfarbe war bleich, den Mund kniff er meiſtens feſt zuſammen, und ſelbſt wenn er ſprach, öffnete er die Zähne nur ſo viel, als eben nothwendig war, um einen Ton hindurch zu laſſen. Dadurch klang ſein Sprechen dumpf und murmelnd, und da der Ton ſeiner Stimme kräftig und gewaltig war, ſo tönte dieſelbe tief, wie aus dem Grabe hervor, was ihm bei manchen ſeiner Rollen wohl zu Statten kam, im gewöhn⸗ lichen Leben aber für das Ohr des Zuhörers nicht angenehm war.
„Herr Wellen— Herr Müller— Herr Hannibal!“ ſagte der Direktor.——„und dies iſt Herr Holder,“ fuhr er nach einer Pauſe fort,„mein Heldenſpieler.“
„Unſeres Thrones feſte Säule!“ ſagte würdig der Herr Trommler, indem auch er ſeinerſeits auf Herrn Holder zeigte und ihm zugleich einen guten Morgen bot. Dann zeigte er ebenfalls auf die drei neuen Mitglieder und ſagte vertraulich:„Ich kann Sie verſtchern, lieber Holder, drei liebenswürdige Collegen!“
„Collegen?“ ſagte finſter der Heldenſpieler, indem er die rechte Hand zwiſchen ſeinen Rock ſteckte.—„Collegen? Von Ihnen vielleicht, Herr Trommler. Das iſt möglich! Ob ich ſte auch als ſolche anerkennen kann, wollen wir nach der erſten Auf⸗ führung ſehen.— Es fühlt ſich Mancher berufen,“ ſetzte er mit


