290 Vierzigſtes Kapitel.
8 4 MNun, die Auffaſſung war doch nicht unpoetiſch lu
„Ich dachte alſo an den Namen des Wirthshauſes,“ fuhr
Eugen fort,„und dieſer Name zur wilden Roſe klang mir merk⸗ — würdig bekannt. Ich beſann mich hin und her; ich dachte an meine Reiſen, an all die Gaſthöfe, wo ich ſchon geweſen, und rinnerte mich ſo vieler Namen derſelben, wie nur immer mög⸗
lich. Umſonſt! Ich konnte mich nicht erinnern, jemals in einem Wirthshauſe deſſelben Namens geweſen zu ſein. Und doch klang die wilde Roſe unter meinen lebhaften Gedanken immerfort hin⸗
durch, wie ein bekannter, angenehmer Ton, und darüber ſchlief
ich ein.“
Herr Sidel war bei dieſen Worten ſichtlich in tiefes Nach⸗ denken verſunken; er ſtützte den Kopf auf die Hand, ſah einen Augenblick vor ſich nieder, dann aber hörte er aufmerkſam zu, was Eugen weiter ſagte.
„Darauf träumte mir denn,“ fuhr dieſer fort,„nach allerlei wirrem, unklarem Zeug von einem Abende, den ich mit dir“— bei dieſen Worten wandte er ſich an den luſtigen Rath—„in
Heiner Geſellſchaft verbracht, wo du mich— es iſt noch gar nicht
lange her— hingeführt.“
„Ah, von der Leimſudia,“ rief hier Herr Sidel; njetzt dämmert mir auch ein Gedanke auf.“
„Ganz richtig, von der Leimſudia,“ ſagte Eugen.„Aber wie ich im Traume ſo in die Geſellſchaft hinein kam, verlor ſich mein Gedanke an den Namen dieſes Wirthshauſes wieder; ich ſah allerlei tolle und wilde Geſchichten, dich unter Anderem als das Ideal eines Leimſieders, und erſt nach und nach klärten ſich meine Träume wieder ab. Da erſchien mir Doktor Wellen, unſer Arzt, und indem er mir einen Strauß wilder Roſen überreichte, erwachte ich.“
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