Eine ſchöne Tochter iſt ſchwer zu hüten. 29
Geſichte begegnete, unwillkürlich ſtehen bleiben und zu ſich ſelbſt ſagen mußte: Das iſt in der That ein ſchönes Mädchen!
Die Familie, durch den vorherigen Streit etwas verſtimmt, wechſelte während des Kaffeetrinkens nicht ein einziges Wort, und es wäre ſolcher Geſtalt im Gewölbe ſehr ſtill geweſen, wenn nicht in dieſem Augenblicke ungefähr ein Dutzend Weiber nach und nach eingetreten wären, die ſich auf den Steinen am Heerd und den davorſtehenden Stühlen ziemlich geräuſchvoll nieder⸗ ließen. Obgleich dieſe Weiber Colleginnen, wenn gleich ärmere und unbedeutendere Colleginnen der Madame Schoppelmann waren, ſo wagte doch keine, die feierliche Kaffeeſtunde durch eine laute Frage an jene Frau zu unterbrechen, vielmehr begnügten ſich alle mit einem ſtummen Gruße, der von Madame Schoppel⸗ mann ebenſo ſtumm, wenn gleich etwas vornehmer, erwiedert wurde. Unter ſich dagegen ſprachen die Weiber bald leiſe, bald lauter, und es herrſchte eine lebhafte Unterhaltung, welche ſich natürlicher Weiſe nur um ihr Geſchäft, den Gemüſe⸗ und Obſt⸗ handel, drehte.
Jetzt hatte Madame Schoppelmann ihren Kaffee mit der bedeutenden hierzu gehörigen Menge von Brod und Butter zu ſich genommen⸗ ſie rückte ihre Haube zurecht, erhob ſich dann ſchwerfällig von ihrem Sitze, wobei ſie ihre beiden Arme auf den Tiſch ſtützte, daß er krachte. Dann trat ſte mit einer gewiſſen Würde und Feierlichkeit an den Heerd in den Kreis jener Weiber, die ſich darauf ehrfurchtsvoll von ihren Sitzen erhoben.
Nach einer kleinen Pauſe, während welcher die Weiber erwartungsvoll zu Madame Schoppelmann aufblickten, ſetzte dieſe den rechten Arm in die Seite und fragte mit einer ſehr wichtigen Stimme:„Wie chaut's heute Morgen auf dem
Markte aus?“


