Eine ſchöne Tochter iſt ſchmer zu hüten. 23
allerlei Spinnen in den Kopf zu ſetzen, und immer hinter meinem Rücken. Auch heute haſt du wohl gedacht, die Katharine iſt noch lange nicht bei der Hand, ſonſt wäreſt du nicht mit deinen bös⸗
artigen Redensarten losgegangen, darauf könnte man ſchwören.
Aber jetzt rathe ich dir im Guten, Fritz, ſage gerade heraus und unumwunden, worauf du vorhin angeſpielt; denn ich bin doch wahrhaftig neugierig, endlich einmal zu erfahren, was ich für
einen Lebenswandel führe!“
„Das möchte ich auch wiſſen!“ ſetzte die Mutter hinzu.
ſchloſſenen Stimme, und näherte ſich in ihrer ganzen breiten Geſtalt, beide Arme in die Seiten geſtemmt, ebenfalls dem Tiſche.
„Laßt mich in Frieden!“ ſagte barſch der Fuhrmann;„von Lebenswandel habe ich auch gar nicht geſprochen.“
„Wovon denn?“ fragte heftig Katharina und beugte den Kopf ſo herab, daß ihre großen, dunkeln Augen wenige Zoll von den grauen, unſteten ihres Bruders entfernt waren und ihn feſt zu bannen ſchienen. Er fuhr zurück und lehnte ſich dann in ſeinen Stuhl, wobei er ein außerordentlich luſtiges Lachen erheuchelte, indem er hoffte, ſich ſo aus der Affaire zu ziehen.
Doch waren die beiden Damen nicht geſonnen, ihn dieſes Mal ohne gründliche Beichte entwiſchen zu laſſen. Katharina, welche dieſer beſtändigen Sticheleien hinter ihrem Rücken müde war, wußte ganz genau, um was es ſich eigentlich handle, und war überzeugt, wenn der Bruder auch wirklich etwas vorbringen würde, daß ſie doch im Stande ſei, ſich vor der Mutter heraus⸗ zureden und damit den ewigen Neckereien ein plötzliches und raſches Ende zu machen.


