Teil eines Werkes 
3. Bd. (1874)
Entstehung
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hängten und mich in den Staub des alltäglichen Lebens zurückzögen! Werther Herr, ich bitte mich nicht mißzuver⸗ ſtehen und mir es nicht als Hochmuth auszulegen, wenn ich Ihnen ſo gewiſſermaßen meinen Schmerz ausdrücke, daß ich gezwungen bin, meinen edlen Berufskreis zu be⸗ ſchränken und den alltäglichen Pfad zu wandeln, der zu dem nothwendigen Brode des irdiſchen Lebens führt.

Mit anderen Worten, ſagte Herr Schropps etwas ungeduldig,Sie ſuchen wohl eine andere bürgerliche Be⸗ ſchäftigung, da das Amt eines Reiſepredigers auch wohl ſeine Schattenſeiten hat?

Das Amt an ſich nicht, werther Herr! O nein, o nein! verſetzte Herr Schleimer mit einem himmeln⸗ den Blicke.

Auch ſucht mein lieber Freund nicht mehr dergleichen, ſondern wünſcht nur Ihren freundlichen Rath bei ſeinem bereits gefundenen, allerdings eben erſt beginnenden, ſegens⸗ reichen Wirkungskreiſe.

Mit Vergnügen, wenn ich darin dienen kann.

Herr Schleimer hat nämlich, einem längſt gefühlten, dringenden Bedürfniſſe abzuhelfen, einen Verein gegründet, der ſich die Aufgabe ſtellt, Jungfrauen und Wittwen zu paſſenden Lebensgefährten zu verhelfen.

Alſo ein Heirathsbureau? fragte Herr Schropps.

Nennen wir es nicht ſo, werther Herr, ich möchte nicht, daß es ſo hieße, ich möchte nicht, daß mein gewiſſen⸗ haftes Beſtreben, gleichgeſinnte chriſtliche Seelen zuſammen zu führen, mit dieſem vulgären Namen belegt würde. Ich