Teil eines Werkes 
2. Bd. (1874)
Entstehung
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Ich weiß es, Balthaſar

Und und und es es ſcheint dir nicht ganz angenehm zu ſein.

Und das wäre dir natürlich ſehr gleichgültig, und es iſt dir ſehr gleichgültig, wie ich an deiner heiteren Miene ſehe. Es wird dir auch gleichgültig bleiben, ja dir viel⸗ leicht angenehm ſein, wenn ich dir ſage, daß drüben jenes verrufene Fräulein von Wanner einzieht.

Ah, die Tochter der alten Staatsräthin

Ja das Scheuſal nicht wahr, es iſt dir ganz

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gleichgültig?

Warum ſollte mir dies nicht gleichgültig ſein?

O, ſchon gut, ſchon gut!

Oder wünſcheſt du, daß es mir nicht gleichgültig ſein ſoll? fragte er mit beſorgtem Blicke, da er das dumpfe Rollen des Unwetters ſchon näher zu hören glaubte.

Wie ſollte ich darin einen Wunſch haben, oder wenn ich ihn hätte, wie ſollte ich ihn ausſprechen einem Manne gegenüber, dem es ſo total gleichgültig iſt, daß ſeine häus⸗ liche Gattin, deren harmloſe Freude darin beſteht, ſtill an ihrem Fenſter zu ſitzen, ihrer Pflichten eingedenk zu ſein, während es ihr zuweilen unſchuldiges Vergnügen macht, auf die Straße hinabzublicken, an die gegenüberliegenden Häuſer, häufiger noch aufwärts gen Himmel jetzt ge⸗ nöthigt ſein wird, einen ſchwarzen Vorhang vor ihr Fenſter zu ziehen, um es nicht mit anſehen zu müſſen, daß ſolch

gottloſes Geſchmeiß wie jene Wanner hohnlachend in die Wohnung ehrbarer Frauen hereinſchaut.

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