Teil eines Werkes 
2. Bd. (1874)
Entstehung
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keiten, etwas gebeugt, etwas mißgeſtimmt, wobei er aber Seelenſtärke genug beſaß, ſowie er ſich in Sicht ſeiner Wohnung fühlte, alles das gewaltſam abzuſchütteln, um mit heiterem, freundlichem Geſichte in's Zimmer treten zu können.Guten Morgen, mein liebes Kind, wie freue ich mich, wieder zu Hauſe zu ſein!

Aber das liebe Kind ſaß ohne Bewegung bolzengerade am Fenſter, neigte kaum ſein Haupt nach Art des ſteiner⸗ nen Gaſtes und ließ nur das verhängnißvolle Wort hören: Endlich!

Wie, endlich? mein Schatz, ich habe ſehr pünktlich mein Bureau geſchloſſen und komme geraden Weges hieher.

Schon gut! ſagte ſie mit einer ſo eiſigen Kälte, daß es ihn ordentlich den Rücken hinauf fröſtelte. O, er kannte dieſe affektirte Kälte, und ſie war ihm weit unbe⸗ haglicher, als wenn er ſogleich mit Regen, Hagel und Donnerwettern empfangen worden wäre. Es war die Stille vor einem Sturme, von welchem man niemals wußte, wann und wie er endigen würde. Es war wie das Gefühl, wenn man in ein unheimliches Haus tritt, wo der Sage nach Geſpenſter gehen, wo man jeden Augenblick das Schrecklichſte erwartet und deßhalb unent⸗ ſchloſſen, befangen, ängſtlich handelt.

So auch der arme Kanzleidirektor in der ſchrecklichen Ungewißheit, welche Scene heute wieder aufgeſpielt werden ſollte, und dieſe Ungewißheit wurde dadurch nicht vermin⸗ dert, daß Madame Schwebeling langſam ihr Geſicht gegen ihn wandte und ihn ſchweigend mit ihren ſcharfen Augen