304 Vierundſechzigſtes Kapitel.
Grundwaſſer ab,“ ſprach er kopfnickend,„aber man mag ſagen was man will, mir ſoll kein Menſch weis machen, daß nicht nach langen, langen Jahren alte Leute von heute ſprechen werden und es bedauern, daß die luſtigen Extrapoſten nimmer zu ſehen ſind.— Ja, pfeif nur!— Für einen vornehmen Herrn muß es doch ein jämmerliches Vergnügen ſein, ſo eingepfercht zu ſitzen. Und dann, wenn ſie ankommen, das Gewühl, der Lärm— pfui Teufel!“
Und als wollte er ſich beruhigen, ſteckte er die Peitſche in ſeinen Stiefel, machte das Horn aus der Schnur auf dem Rücken los, brachte es an ſeine Lippen und blies, vielleicht angeregt durch den grünen dichten Wald, der nun die Chauſſee auf beiden Seiten einrahmte, die Melodie des bekannten Liedes:
Der Jäger von Churpfalz Der ſtolpert über'n Haſelſtrauch Und bricht beinah' den Hals.
Angenehm für den Virtuoſen war es, daß es gerade bergauf ging, was auch die vier Pferde benutzten, um ſchweif⸗ wedelnd im langſamſten Schritt zu gehen. Wie aber Alles auf dieſer Welt ein Ende nimmt, ſo auch das Blaſen des Poſtillons und der ziemlich lange Berg. Auf der Höhe deſ⸗ ſelben ſah man die Stadt vor ſich liegen, weiterhin die Häuſer⸗ maſſen, näher einzelne Gebäude, unter dieſen hervor erblickte man ein ziemlich hohes Dach mit einer rothen Fahne.
In dieſem Momente legte ſich eine junge Dame ein klein wenig aus dem Wagenſchlag, ſchaute dort hinab und ſagte dann zu Jemand, der neben ihr ſaß:
„Ich habe das Haus geſehen mit ſeiner rothen Fahne.“ Der Poſtillon that jetzt einen lauten Zungenſchlag, ſeine


