262 Neunundvierzigſtes Kapitel.
gleichgültig auszuſehen, während ſein Ohr mit aller Span⸗ nung, mit aller Aufmerkſamkeit, deren es fähig war, dem Munde des Arztes ſich zuwandte.
Ueber die Züge des Doktor Flecker flog ein Lächeln, doch war er ſchon im Begriffe, ebenſo ernſt zu antworten, wie ihn der Graf gefragt, als er, ſich eines Anderen beſinnend, heiter den Kopf aufwarf und, ſein vergnügtes Lächeln wieder aufnehmend, freilich mit etwas gerührter Stimme ſagte: „Wozu dieſe feierliche Frage, beſter Herr Graf? Kann ich ſie Ihnen beſſer beantworten als Ihr eigenes Gefühl, als die wieder erwachende Lebensluſt, die aus Ihrem Auge ſtrahlt? — Sie haben Recht; wir ſind nicht allwiſſend, Gott iſt das allein, und unſer Wiſſen und Können iſt weniger als Stück⸗ werk. Aber,“ ſetzte er mit ſeltſam zitternder Stimme hinzu, weil er in die erwartungsvollen Augen des jungen Mannes blickte,„wenn ſich nach finſterer Nacht unſer Horizont mit roſigem Lichte bezieht, ſo haben wir einen klaren und glänzen⸗ den Tag zu erwarten. Das roſige Licht Ihres Lebenstages ſehe ich deutlich wieder erſcheinen auf Ihren Lippen, die nicht mehr krankhaft zucken wie vor Monaten, auf Ihrem Geſichte, das eine andere Form anzunehmen beginnt. Ja, ich bin feſt überzeugt, Sie haben noch einen langen und heiteren Lebens⸗ tag vor ſich; das iſt meine wahre Anſicht: ich ſchwöre es Ihnen feierlich.“
Bei dieſen Worten ſtieg ein unnennbar ſüßes Lächeln auf den edeln und nun wieder ſchön erſcheinenden Zügen des jungen Grafen auf.
„Dank, Dank!“ flüſterte er;„ich fühle, wie mich Ihre guten Worte gekräftigt. Laſſen Sie mich jetzt, lieber Freund, ich bin in dieſem Augenblicke nur Eines Gedankens fähig—
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