2 Achtunddreißigſtes Kapitel.
pflege, und dann ſahſt du auf die Uhr und meinteſt, es müſſe unbedingt ſpäter ſein, als dieſe anzeige.“
„O welche Ungeduld!“ ſprach Baron von Breda, laut und unbefangen lachend. Doch warf er mit der Schnelligkeit zdes Blitzes einen Blick auf ſeine Frau, welche aber ſo gleich⸗ gültig wie immer, ohne alle Erregung daſaß und in dieſem Augenblicke ihr Papiermeſſer zwiſchen die Blätter des Buches legte, um die Stelle nicht zu verlieren, wo ſie in ihrer Lecture ſtehen gebieben. Dabei ſagte ſie:
„Eugenie iſt ein lieber wilder Vogel, der drückend die Mauern des Hauſes fühlt, beſonders da es ſich dem Früh⸗ jahr nähert, deſſen Vorboten, die warmen Winde, ſchon den Schnee weggeſchmolzen und die Bäche vom Eiſe befreit haben. Ich glaube, Kind, du beneideſt jeden, der draußen im Freien iſt.— Wahrhaftig, George,“ fuhr ſie nach einer Pauſe fort, während welcher das junge Mädchen ſich zu ihr hinab gebeugt und der Baronin mit der vollen Hand über das Haar ge⸗ ſtrichen hatte,„wenn es einmal draußen grün iſt, ſo müſſen wir an einen Aufenthalt auf dem Lande denken. Dann thut uns unſer Wildfang hier nicht mehr gut.“
„Nein, nein, liebe Tante,“ erwiderte Eugenie,„Sie thun mir wirklich Unrecht; wo könnte es mir angenehmer ſein, als bei Ihnen! Unſer Haus wird ja mitten im Grünen ſtehen, und wenn ich noch mehr will, ſo kann ich von meinem Fenſter nach den Bergen drüben ſehen und mir ganz gut einbilden, ich ſei dort und eile unter den dichtbelaubten Bäumen hinweg auf dem weichen Mooſe dahin über Berg und Thal.“
Die Zwei hatten unterdeſſen Platz genommen und der
Baron ſagte:„Ich fürchte faſt, wenn du zu häufig mit dei⸗


