Die Czrabowski'’ſchen Güter. 265
er denn auch weiter, ja, er ging ſo weit, als es ihm möglich war. Wir meinen das nicht zweideutig, geneigter Leſer, wie du vielleicht vermuthen wirſt; nein, der Graf Czrabowski, Herr der Güter von Rachow bei Lublin, fuhr an einem ſchönen Vormittage— ſchön in Anbetracht dieſer feierlichen Gelegen⸗ heit, denn der Himmel weinte eben an dieſem Vormittage Schnee und Regen durch einander— nach der Wohnung des Rechtsconſulenten, ließ ſich bei Madame Weibel melden und bat förmlich um die Hand von deren Tochter Clementine.
So war es denn geſchehen, und daß die Welt alsbald dieſes große Ereigniß erfahre, dafür ſorgte der gütige Himmel, denn drüben am Fenſter lehnte die blaſſe Kaufmannswittwe; ſie ſah den Grafen Czrabowski in ſchwarzem Frack und weißer Halsbinde anfahren, ſie bemerkte, wie die alte Weibel außer⸗ ordentlich tief knixte, und hatte darauf nichts Eiligeres zu thun, als ihr Dienſtmädchen, die Ricke, heimlich zu Plagers Babette zu ſenden, wo ſie denn alsbald die ganze Geſchichte erfuhr.— Das wäre zum Schlagtreffen geweſen, aber die blaſſe Kaufmannswittwe hoffte auf einen minder glänzenden Ausgang dieſer an ſich ſkandalöſen Geſchichte. Man braucht ja nur an die Punſchſcene zu denken, ſprach ſie achſelzuckend zu ſich ſelber. Und— Hoffnung läßt nicht zu Schanden werden.
„Clementine iſt nun alſo eine glückliche Braut, und daß die Sache endlich declarirt, kann man dem armen Mädchen wohl gönnen,“ ſagte an demſelben wichtigen Tage Madame Weibel zu ihrer älteren Tochter, der Frau des Banquiers Springer; worauf ſie noch hinzuſetzte:„Ja, ſie hat in der jüngſten Zeit recht gelitten, die arme Clementine, man ſieht es ihr wohl an.“


