Don Quixote und Tiger. 295
„Gut, ich werde das nicht vergeſſen,“ erwiderte der Ar⸗ menarzt; dann ſetzte er lauernd hinzu:„Und das haben Sie neulich erfahren an dem Tage, ehe Sie unwohl wurden?“
„So iſt es; in einem Hauſe auf dem Burgplatze.“
„Auf dem Burgplatze?“ fragte der Doktor, indem er ſeine Brille feſter an die Augen drückte und auf den Boden blicend eine kleine Weile nachſann.„Auf dem Burgplatze? Hm, hm? Ah, das iſt da unten, ich weiß ſchon, es wohnen dort viele Künſtler, Maler, Bildhauer, Kupferſtecher und dergleichen Volk. So! da hinein ſind Sie gerathen? Nun, da werden Sie natürlicher Weiſe viel Geſcheidtes erfahren haben.“
Der lange Schreiber legte die Hände über einander, nickte bedächtig mit dem Kopfe und erwiderte:„Das habe ich auch; ich kann Ihnen verſichern, Doktor, daß dort Leute wohnen, die das Herz auf dem rechten Flecke haben; ich ſage Ihnen, hin⸗ gebende Charaktere, mit denen man die Welt erobern könnte, Burſche voll Gefühl für die Leiden ihrer Nebenmenſchen und zum Helfen bereit, wo es nur angeht. Wenn es mir möglich iſt, ſo werde ich Sie ſpäter dort einmal einführen.“
„Alſo eine geſchloſſene Geſellſchaft?“ fragte der Doktor, wobei er ſehr bedenklich ausſah.
„Ja, wenn Sie wollen, es iſt ſo etwas,“ verſetzte Herr Larioz;„eine Verbrüdernng, ein Bund zum Schutz und Trutz, ſowie zum Frommen aller edlen Menſchen, etwas wie gewiſſe Ritterorden der früheren Zeit.“
„O weh, o weh!“ ſprach der Armenarzt halb laut vor ſich hin.„Der ſcheint mir in gute Hände gerathen zu ſein. Das fehlte noch, daß ihn Spaßvögel an dieſer ſeiner ſo außer⸗ „ordentlich ſchwachen Seite anfaſſen. Es wäre wahrhaftig Schade um dieſes gute und edle Gemüth.“— Dann ſetzte er


