Teil eines Werkes 
2. Bd. (1858)
Entstehung
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266 Zweiundzwanzigſtes Kapitel.

war blendend ſchön, aber ſchon als Kind ein Wildfang, wie man ſich nur denken konnte. Mit vollem Rechte ſagten wir oft, es ſei ein Bube an ihr verloren gegangen; Reiten und ſelbſt Fahren war ihre Leidenſchaft, und für ſie war die alte Gräfin nicht ſtreng genug. So wuchſen Beide heran, und die Vünre hat ihrer armen Mutter manche ſchwere Stunde gemacht.

„Aber ihr Charakter war gut, wie ich gehört?“ fragte der junge Mann.

„Wankelmüthig,“ entgegnete die Großmutter;„jetzt, ihre Fehler einſehend, konnte ſie bei den Vorwürfen der Mutter ſtundenlang weinen, aufs heiligſte Beſſerung geloben, um morgen wieder wilder anzufangen, als ſie heute geendigt. So hat ſie auch leider fortgemacht, und es ziemt mir nicht, über Sachen zu ſprechen, die Euer Erlaucht vielleicht beſſer wiſſen als ich ſelbſt.“

„In Wahrheit habe ich mich nie beſonders darum ge⸗ kümmert,“ verſetzte Graf Helfenberg.„Sie heirathete einen älteren Mann.“

„Den Herrn Baron von Braachen.“

„Ganz richtig. Und ſo viel erinnere ich mich wohl, daß man viel über dieſe Heirath geſprochen.— Sie hat eine einzige Tochter, die ſehr ſchön iſt; ich habe ſie ein oder zwei Mal geſehen.“

Bei dieſen Worten traf derſelbe forſchende Blick der alten Frau abermals das Geſicht des jungen Mannes, der aber auch jetzt wieder, wie früher, anſcheinend gänzlich unbefangen und gleichgültig vor ſich nisderſchaute.

„Ja, eine einzige Tochter,“ ſprach nach, einer längeren Pauſe ſeufzend die Großmutter.„Als ſie geboren wurde,