Polniſcher Punſch. 319
Und ein ſolcher Gegner war der Herr Graf Czrabowski; er fuhr lächelnd durch ſein Haar, er drehte lächelnd an ſeinem zugeſpitzten Schnurrbart, er ſagte lächelnd:„Das nenne ich Gaſtfreundſchaft, einen einzelnen harmloſen Fremden ſo zu überfallen!“
Hätte nur zuerſt Clementine und nachher Herr Schilder nicht ſo laut geſchrieen! Aber in den Geſellſchaftszimmern war es mit einem Male ſehr ſtill geworden, und jetzt öffnete ſich die Thür vom Salon auf den Gang, und Madame Weibel ſchlich heraus, welcher ihr Schwiegerſohn mit gerun⸗ zelter Stirn folgte.
Die Beiden traten in die Küche; Niemand wagte eine Frage zu ſtellen, man ſah ſich erſtaunt an. Herr Larioz ſtand mit hoch erhobenem Kopfe an der Thür, Herr Schilder haſchte nach Athem, während er ſeine beiden Hände krampfhaft ſchloß und öffnete; der Graf ſpielte verlegen mit ſeiner Uhrkette, und Clementine war verſchwunden.
Die Schwiegermutter war die Erſte, welche ihren Mund öffnete und fragte:„Wo iſt meine Tochter?“
Ein paar Sekunden lang antwortete Niemand, dann ſagte Herr Schilder, indem er heftig ſchluckte:„Sie hat ſich, als wir in die Küche traten, dort in die Speiſekammer geflüchtet.“
„Geflüchtet?“ rief Madame Weibel, und ſie legte einen Ausdruck auf dieſes Wort, der offenbar ſagen wollte:„Seit wann findet ſich ein Mitglied der Familie Weibel in die Nothwendigkeit verſetzt, ſich zu flüchten?“— Und dann fuhr ſie fort, indem ſie ihre ſpitze Naſe gegen den langen Schreiber richtete:„Was haben Sie eigentlich in meiner Küche zu
ſuchen?“


