Teil eines Werkes 
1. Bd. (1858)
Entstehung
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20 Zweites Kapitel.

Dieſe Worte ſprach die Geſtalt mit hoch erhobenem Kopfe und ſehr feierlichem, aber dabei gutmüthigem Geſichtsausdruck, und als ſie ſolche geſprochen, winkte ſie leicht mit dem Kopfe und ſchritt trotz des ſtrömenden Regens langſam die Straße hinab.

In dieſem Augenblick beleuchtete ſich das Fenſter des Mei⸗ ſters Schwörer wieder, und Gottſchalk, der einer neuen Straf⸗ predigt, ja, der kräftigſten Anwendung des Ellenmaßes zuver⸗ ſichtlich entgegen ſah, kratzte ſich verlegen in den Haaren und bedachte, daß der Fremde, wenn er ihm hätte ein Leid thun wollen, ihn ja gewaltſam mitnehmen konnte.— Dabei glaubte er auch ſchon die ſchlurfenden Schritte des Meiſters zu ver⸗ nehmen, weßhalb er ſich kurz entſchloß, den Kragen ſeines Jäck⸗ chens feſt am Halſe zuſammen zog und mit einem ziemlich krummen Rücken der langen Geſtalt nachtrabte.

Dieſe hatte ſchon das Ende der Straße erreicht und bog, ohne ſich umzuſchauen, nach rechts ab. Bald indeſſen war der Knabe dicht hinter ihr und ließ nun vom Laufen ab, um, lang⸗ ſamer gehend, ſeine neue Bekanntſchaft ſich nochmals ſorgfältig anzuſehen. Der Fremde war, wie ſchon mehrmals bemerkt, von außergewöhnlicher Größe und erſchien jetzt in dem langen Mantel, der ihm bis an die Füße reichte, und bei dem un⸗ gewiſſen Schein eines flackernden Gaslichtes noch länger, faſt unheimlich. Obgleich er langſam dahin ging, machte er doch ſo weite Schritte, daß ſich der Knabe anſtrengen mußte, um ihm zu folgen. In der linken Hand ſchien die Geſtalt einen großen Stock zu tragen, den ſie bei jedem Schritte gleichförmig und taktmäßig auf das Straßenpflaſter niederſetzte. Gewiß war es, daß ſie die Schritte des Knaben hinter ſich hören mußte, doch wandte der Mann im Mantel nicht ein einziges Mal