Nachts im Regen. 1
„Ja, das haſt du. Zu viel, viel zu viel,“ entgegnete Madame Schwörer, die nun vor dem Bette ſtand und ihre Schuhe ſuchte.„Aber, ich ſage dir, Zacharias, mach' meinen Kopf nicht noch verwirrter, als er mir anfängt zu werden. Wo iſt der Gottſchalk?“
„Der Teufel hat ihn geholt, der leibhaftige Teufel! Und ich habe ihn herbeigerufen. Oh! oh! oh!“
„Das wollen wir bald erfahren.“
„Weib!“ ſchrie entſetzt der Schneider,„du willſt doch nicht hinausgehen? in die Nacht hinaus, wo der Böſe um⸗ geht?“
„Der thut mir nichts,“ entgegnete kopfſchüttelnd die Frau; dann zündete ſie das Licht wieder an, nahm ein warmes Tuch um und leuchtete vorſichtig zum Fenſter hinaus. Da war Alles ſtill und ruhig, vor dem Gitter war weder eine geſpen⸗ ſterhafte Geſtalt, noch etwas von dem Knaben zu ſehen; an den Eiſenſtäbchen lief der Regen herunter und glänzte im Wie⸗ derſcheine der brennenden Kerze.
„Nichts?“ fragte ängſtlich Meiſter Schwörer von dem Bette her.
„Nicht das Geringſte,“ erwiderte die Frau.
„Gott! o Gott! Und kein Schwefelgeruch?“
Die Frau gab keine Antwort, doch ſchüttelte ſie ernſt⸗ lich beſorgt mit dem Kopfe und ſagte:„An deinen Teufel glaube ich nicht; wenn nur ſonſt dem armen Buben kein Unglück ge⸗ ſchehen iſt.“
Damit zog ſie das Tuch feſter um ſich, nahm den Haus⸗ ſchlüſſel und trat auf die Straße. Dort fegte der Wind von den naſſen Dächern herab und ſtürzte ſich mit Regen vermengt auf das triefende Pflaſter. Die Dachröhren goſſen und ſpru⸗


