Teil eines Werkes 
1. Bd. (1858)
Entstehung
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Stufen deſſelben bezeichnen, an ihm fehlten; nur ſo viel konnte man mit Gewißheit ſagen, daß er weder Jüngling noch Greis war.

So war der Mann, von dem ſelbſt in dieſer für Berlin und Kölln ſo ereignißreichen und bewegten Zeit ſo viel ge⸗ ſprochen ward, und den doch nur Wenige geſehen, denn auch die Mönche des Prediger⸗Kloſters wurden ſeiner nur bei den gemeinſchaftlichen Andachtsübungen, die er nie verſäumte, anſichtig, und Niemand von ihnen wußte mehr von ihm über ſeine Herkunft und den Zweck ſeines Aufenthalts im Kloſter, der ihm durch päpſtlichen Befehl dort geworden, als die Leute in der Stadt das heißt: nichts. Bevor man durch den Prior, der nur ungern von ihm ſprach, ſeinen Namen erfahren, nannte man ihn nur den welſchen(italie⸗ niſchen) Doktor..

Klara lag in ruhigem, ſanftem Schlummer, als Pig⸗ netti, von Balzer geleitet, in das Gemach trat. Schweigend trat er an das Lager der Kranken und richtete ſeinen Blick auf ihre geſchloſſenen Augen. Sie ward unruhig und er⸗ wachte bald; bei ſeinem Anblick ließ ſie einen leiſen Schrek⸗ kensruf hören und ſtreckte die zitternden Arme nach ihrer am unteren Ende des Bettes ſitzenden Mutter aus, als ſollte dieſe ſie ſchützen vor der ihr drohenden Gefahr.

Frau Katharina wollte ſich erheben, doch eine gebie⸗ tende Handbewegung des Doktors ließ ſie dem Zuge ihres Herzens nicht folgen; wider ihren Willen blieb ſie auf ihrem Platze. Die tiefſte Stille herrſchte in dem Gemach.

Langſam ließ Klara die erhobenen Arme ſinken; ſie ver⸗ ſuchte die Augen zu ſchließen, um dem beängſtigenden Ein⸗ fluſſe zu entgehen, welchen der Blick des Fremden auf ſie übte; aber ſie öffneten ſich immer wieder. Wie ſehr ſie ſich auch ſträubte, ſie mußte ſich der geheimnißvollen Macht des Fremden fügen, ſein Blick hielt den ihrigen gefangen. Angſt⸗ ſchweiß bedeckte ihre Stirn.