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Maße von ſeinen Rechten Gebrauch machte. Klara— ſo hieß das Mädchen— verdiente es aber auch, daß man ſie liebte, nicht allein ihrer Körperſchönheit wegen, als vielmehr um ihres ſanften, tugendreinen Gemüths willen. Sie er⸗ kannte wohl die Güte, mit welcher der Stiefvater ſie über⸗ häufte, und dankte ihm dafür mit kindlicher Anhänglichkeit und Verehrung.
Klara hatte das achtzehnte Jahr erreicht und war be⸗ reits ſeit einigen Wochen Braut, als anfangs November des Jahres, mit welchem dieſe Erzählung beginnt, ihre ſonſt ſo blühende Geſundheit ſchwand und ſie auf's Krankenlager ſank. Da ſandte der beſorgte Stiefvater nach dem Prediger⸗Kloſter und ließ den berühmten Doktor Pignetti, der vor ungefähr einem Jahre aus Italien gekommen war und in jenem Klo⸗ ſter wohnte, inſtändigſt bitten, ſich der Kranken anzunehmen. Von ihm hoffte er bald wieder Klara's Geſundheit befeſtigt zu ſehen. Viele Wunderkuren vom welſchen Doktor gingen von Mund zu Munde, und wenn das Volk auch zu dem Glauben geneigt war, daß der Welſche einen Pakt mit den Geiſtern geſchloſſen, wozu Vieles an ihm, von dem wir noch weiter unten ſprechen werden, beitrug, ſo ward dieſer Wahn doch ſchon durch den Umſtand widerlegt, daß er im Kloſter bei den Mönchen wohnte, welche ſo viel Aufhebens von ſei⸗ ner Frömmigkeit machten, wie die Leute in der Stadt von ſeiner großen Wiſſenſchaft.
Es ward Herrn Balzer aber nicht ſo leicht, den Dok⸗ tor ſeinen Wünſchen geneigt zu machen, denn dieſer ging in der Regel, und zwar unaufgefordert, nur zu ganz armen Leuten, und dann auch nur zur Nachtzeit, und vermied ge⸗ fliſſentlich die Häuſer der Reichen; erſt als Klara's Vormund, zur Zeit Bürgermeiſter von Berlin, zu Balzers großem Er⸗ ſtaunen zum erſten Male deſſen Bitte unterſtützte, ließ ſich der Doktor Pignetti bewegen, ſpät am Abend in dem Hauſe des ehemaligen Kaufherrn zu erſcheinen.


