Teil eines Werkes 
1. Bd. (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

An einem kalten, aber hellen und klaren Dezembermorgen des Jahres 1440 war es, als zwei Reiter, aus der Richtung von Cöpenick herkommend, mit verhängtem Zügel dem Dörf⸗ chen Britz zuſprengten, welches, zwei Stunden Weges von Berlin entfernt, an der damaligen Landſtraße nach Sachſen belegen war. Die winterliche Morgenſonne färbte die wei⸗ ten Schneefelder mit glitzerndem Roth, und die zur Seite des Weges befindlichen Bäume, mit Reif und eiſigem Schnee be⸗ deckt, funkelten in ihren Strahlen, als wären ſie eitel Demant und Kryſtall, daß es wohl der Mühe werth war, auf der Anhöhe, wo die beiden Reiter eben angelangt waren, etliche Augenblicke zu verweilen, um die ſchöne Winterlandſchaft um ſich her zu betrachten. Doch keiner von ihnen ſchien Sinn für dergleichen Dinge zu haben vorwärts, nur vorwärts ſchien ihre Loſung zu ſein. Sie mußten ſchon einen weiten Ritt gemacht haben, denn Schweiß bedeckte die Roſſe, daß ſie dampften, und man ſahe es den ſtark gebauten Thie⸗ ren an, daß ſie den ſchnellen Lauf nur mit Anſtrengung der letzten Kräfte möglich machten. Aber auch die Reiter ſchie⸗ nen ſo erſchöpft, wie ihre Roſſe, die von ihnen zu immer

größerer Eile angeſpornt wurden, als ſeien ihnen Verfolger auf den Ferſen.

1*