4 Rohrſchneiden.
zu beſtreiten, fuhren wir in den erſten Tagen des April auf dem Dampfboot„Algonquin“ den Ohiofluß hinab wieder in den Miſſiſſippi, und dieſen hinunter bis Teneſſee, wo das Boot eines Nachmittags anlegte, Holz einzunehmen.
Dort wuchs Schilf genug; ich ſprach mit dem Eigen⸗ thümer des Holzes, der ein kleines Häuschen daneben hatte, und der ließ ſich willig finden, uns in ſeine Wohnung auf⸗ zunehmen, und gegen zwei Dollar die Woche(für die Perſon) zu beköſtigen. Im Nu waren unſere Sachen am Ufer, und ſchon am nächſten Morgen begannen wir unſere Arbeit.
Das Rohr, das wir auf dieſe Art ſchnitten, wuchs in ungeheuren Dickichten am Ufer des Miſſiſſippi, doch konnten wir nur, da es zu Pfeifenröhren beſtimmt war, das Schwächſte davon gebrauchen, das ungefähr ſo ſtark wie eine dicke Feder⸗ ſpuhle, dicht über der Wurzel abgeſchnitten, etwa 4—5, oft 6 Fuß hoch ſein mochte, und an dem die einzelnen Glieder 8— 16 Zoll lang waren. Dies ſchnitten oder hackten wir vielmehr mit dazu eigens verfertigten und mitgebrachten Meſſern ab, ſtreiften die Blätter, welche Sommer und Win⸗ ter grün ſind, und von denen das Vieh vorzüglich im Winter lebt, herunter und banden die kahlen Ruthen, immer 500 in ein Bündel, zuſammen. Das gab immer einen recht tüchtigen Arm voll, da überdies Rohr, wenn noch grün, außerordent⸗ lich ſchwer iſt. Für das Hundert bekamen wir in Cincinnati 50 Cent(etwa 20 Groſchen).
Der Mann, bei dem wir uns ſo plötzlich einquartirt hat⸗ ten, zeigte ſich ſehr artig und freundlich und wir wurden bald recht gut bekannt mit einander. Glücklicher Weiſe, um uns
—


