Teil eines Werkes 
1. Bd. (1856)
Entstehung
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Damengeſellſchaft. Muſik in Amerika. 307

das neue Juſtrument zu ſehen verlangten. Freilich ließ mein Coſtüm manches zu wünſchen übrig, es ſelbſt den geringſten Anſprüchen gegenüber für eine Damengeſellſchaft paſſend zu finden. Die letzte Sumpfparthie hatte ebenfalls nichts dazu 4 beigetragen, meine Toilette zu verbeſſern. Mein Jagdhemd, das ich jetzt 10 Monate trug war vom Wetter, Dornen und Waſſer arg mitgenommen, und meine Wäſche beſtand gegen⸗ wärtig noch aus einem einzigen Hemd, das ich jedesmal, wenn es ſchmutzig war, in kaltem Waſſer auswaſchen mußte. Jeder der das ſelber aber ſchon einmal mit durchgemacht hat, weiß, wie ſchwer Truthahn⸗ und beſonders Bärenſchweiß ohne Seife mit kaltem Waſſer aus der Wäſche geht.

Das war mein Anzug; ich dachte aber, wenn er für mich ſchon ſo lange gut genug geweſen wäre, würde er auch ein⸗ . mal ein paar Stunden für die Damen gut ſein können, ging alſo friſch mit meiner Cither hinüber, wurde ſehr freundlich von ihnen empfangen und fing an zu ſpielen.

Die Amerikaner haben im Ganzen wenig Sinn für un⸗ ſere ruhige, gefühlvolle Muſik; ſie ſind ein Volk, das ſchnell lebt, Alles ſchnell treibt, und wollen daher auch ſchnelle Muſik. Wenn ſie daher ein Lied hören, zu dem ſie nicht den Takt von einem ihrerreels oder hornpipes*) ſchlagen können, ſo ſagen ſie,das verſtehen wir nicht. Eine Aus⸗ nahme macht hiervon jedoch ein großer Theil der gebildeteren Claſſe, und zu dieſer gehörte glücklicher Weiſe mein Publicum.

Die jüngere Dame war die Frau vom Hauſe, noch ein

*) Lebhafte Tänze, der letztere beſonders ein Matroſentanz.

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