Teil eines Werkes 
6. Bd. (1855)
Entstehung
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Laſſen Sie das gut ſein, nahm Benkendroff hier des Apothekers Parthie,Herr Schollfeld hat ſehr gediegene und vernünftige Anſichten über Amerika, und Sie werden mir zu⸗ geben, daß ich ebenfalls im Stande bin ein Urtheil darüber zu fällen; ich kenne das Land aus Erfahrung, aus eigener, per⸗ ſönlicher Anſchauung.

Hopfgarten wechſelte mit Kellmann einen gutmüthig lächelnden Blick, und ſagte, ſich an dieſen wendend:

Wie kommt es nur, daß Sie Fräulein Lobenſtein, wenn Sie dieſelbe ſchon ſo lange geliebt haben, von hier fortziehen ließen, ohne ihr Ihr Herz zu öffnen?

Weil es ein wahnſinnig, unnatürlich verſchämter Kürſch⸗ nermeiſter war, rief Schollfeld, die Antwort für ſeinen Freund aufnehmend,wie Lobenſteins hier fort waren, ging er herum wie ein begoſſener Pudel, ſprach mit Nie⸗ mandem, trank nicht mehr, ſchnitt ein Geſicht, als ob er Aepfelwein getrunken hätte, und wollte keinem Menſchen Rede ſtehn, beinah zwei Jahre lang. Endlich bekam ich's heraus, und da geſtand er mir, daß er ſehn Sie ſich den Menſchen einmal an keine Courage hätte den Schritt zu wagen, obgleich er ſelber faſt hoffe, Anna Lobenſtein ſei ihm nicht ganz abgeneigt. Da hört denn doch Alles auf. Na ich nahm ihn dann ordentlich in's Gebet, ſchon meiner ſelbſt willen, denn es iſt ja langweilig mit einem ſolchen verliebten Kopfhänger umgehn zu müſſen. Er ließ ſich auch endlich überzeugen, und iſt mir nachher, wie er den Zuſagebrief erhielt, um den

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