Teil eines Werkes 
6. Bd. (1855)
Entstehung
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noch vorjährige Blattdecke des Bodens niederſchlugen. Und die Grille zirpte ihr regelmäßig melancholiſch Lied, das wie das leiſe Schnarren einer in zeitrechten Schwingungen gehen⸗ den Uhr von allen Seiten tönte, nur manchmal durch den gel⸗ lenden Schrei eines aufſtiebenden Falken geſtört, dem der blaue Heher im Buſch ſpöttiſch den Warnungsruf nachäffte.

Wie das ſummte und ſchwirrte um Lianenblüthen und friſch aufkeimende Waldesblumen, von Bienen und Käfern, zwiſchen denen hin hie und da, wie ein verirrter Sonnenſtrahl, ein blitzender gold und grün ſchimmernder Kolibri gedanken⸗ ſchnell faſt herüber und hinüber ſurrte, über einem duftenden honigſchweren Kelch einen Moment mit unſichtbaren, ſchatten⸗ gleich fibrirenden Schwingen ſtand, und dann verſchwunden war, daß ihm das Auge nicht folgen konnte, bis ihn ſein Summen an dem nächſten Blüthenbuſch verrieth.

Wie die Natur in wundervoller Harmonie, beſonders in der Jahreszeit, den ganzen Wald mit ihrer Pracht durchwirkt, und ineinandergreifend Jedes ſich die Hände reicht zum ſchönen Ganzen; wie ſelbſt der morſche umgeſtürzte Baum, von wilden blühenden Ranken umzogen, zum Bilde hier gehört und nicht fehlen dürfte; ja wär' ein einziger Zweig gebrochen von den tauſenden, die überall dem Licht, der Luft die grünen Arme entgegenſtrecken, die Lücke würde fühlbar, und der fallende Tropfen ſelbſt ſchmückt das Blatt das er verließ mit höherem Glanz, und wird zur Perle wo er niederfällt.

Und doch ein Miston in der Harmonie ein dunkler Fleck der da nicht hingkhörte, der ſich nicht wohl da fühlte

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