Hopfgarten hätte jetzt wieder ſeine Seligkeit zum Pfande ſetzen wollen daß er ſeinen Reiſegefährten, und nicht deſſen Zwil⸗ lingsbruder vor ſich habe, wäre ihm nicht die vollſtändige Ruhe und Unbefangenheit des Mannes im Wege geweſen. „Der Kaufmann Henkel iſt unſer Stiefvater; meine Mutter hieß Soldegg von ihrem erſten Mann, unſerem Vater; mein Bruder, der mit unſerem Stiefvater in deſſen Geſchäft trat, nahm auch ſeinen Namen an, und nennt ſich nur noch manch⸗ mal Henkel Soldegg oder Soldegg Henkel. Ich ſelber führe nur den Namen Soldegg.“
„Hm, hm, hm,“ murmelte Hopfgarten, mit dem Kopf dazu ſchüttelnd, leiſe vor ſich hin,„wenn man's in einem Buche läſe, würde man's nicht glauben. Es iſt wahr,“ fuhr er dann, zu Soldegg wieder aufſchauend und ihn mit den Augen meſſend, fort,„es liegt etwas in Ihrem ganzen Weſen das Henkel nicht hatte.— Sie ſtehen kräftiger, entſchloſſener, freier da, möchte ich faſt ſagen— Henkel hatte mehr etwas Scheues, Gedrücktes, Unſicheres— trug ſich auch nicht ſo g'rade in den Schultern.“
„Läßt ſich wohl denken,“ lachte der junge Mann,„er iſt an Stubenſitzen gewöhnt, und hinter rieſtgen Büchern und dem Schreibtiſch groß geworden, ich dagegen habe ein freies fröhliches Jägerleben im Wald dafür geführt. Er mag reicher bei ſeiner Beſchäftigung geworden ſein— aber ich tauſche den⸗ noch nicht mit ihm.“
„Sie wiſſen daß er verheirathet iſt?“


