22
Glas auch austrinken, oder vielleicht wieder in die Flaſche zu⸗ rückſchütten ſolle. Als der Fremde übrigens auf ihn zukam,
entſchloß er ſich doch zu dem erſteren, und hob das Glas.
Hopfgarten trat an den Schenkſtand hinan und frug, ſchon etwas an den indolenten Charakter dieſer Art Leute gewöhnt, ob er die Nacht da ein Bett, oder noch beſſer ein kleines Zim⸗ mer für ſich bekommen könne. Der barkeeper hörte ihm, das Glas bis beinah an die Lippen gebracht, ruhig zu, trank dann langſam, erſt einen kleinen Schluck, wie um die Güte des „Stoffes“ zu prüfen, dann einen größeren, und dann den Reſt durch ein plötzliches Ueberſtürzen des Gefäßes, ſpühlte dieſes in einem unter dem Tiſch ſtehenden Kübel aus, trock⸗ nete es ab und ſagte, während er es mit der Flaſche wieder an ſeinen Platz ſtellte:
„Ich denke ſo.“
„Es freut mich ungemein Ihren Gedanken begegnet zu ſein,“ lächelte Hopfgarten, den die Ruhe des Burſchen amü⸗ ſirte,„würden Sie dann wohl auch ſo freundlich ſein dieſen Reiſeſack und dieſe Decke auf jenen mir zu beſtimmenden Platz zu ſpediren und indeſſen Sorge zu tragen, daß ich vor allen Dingen ein eben ſolches Glas Brandy, wie Sie gerade eingegoſſen, und etwas Warmes zu eſſen bekommen könnte?“
Die ironiſche Höflichkeit, mit der dieſe Worte geſprochen wurden, machte jedenfalls einen größeren Eindruck auf den jungen Burſchen— der den Fremden ganz erſtaunt anſah und nicht recht wußte woran er mit ihm war— als es irgend etwas anderes gemacht haben konnte; er ſetzte ihm wenigſtens


