Teil eines Werkes 
3. Bd. (1855)
Entstehung
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kaum wie reich er iſt, beſucht aber regelmäßig ſämmtliche deutſche Wirthshäuſer in denen Auswanderer einkehren, unter⸗ hält ſich mit ihnen und hat, wenn ſie ihm gefallen, ſchon Man⸗ chens Glück gemacht.

Ja zum Donnerwetter Herr, warum haben Sie denn das nicht gleich geſagt? fuhr ihn Steinert an, während ſich der kleine Mann mit einem ſchüchternen Achſelzucken etwas weiter von ihm fort und wieder hinter ſeine grüne Brille zu⸗ rückzog, Theobald aber, durch die ſchlechte Behandlung und den ſtarken Punſch erregt, ſchwor daß der Mann, und wenn er ein Millionair wäre, kein Herz im Buſen und keine Ader für Poeſie habe, und verließ nach dieſer anatomiſchen Behaup⸗ tung raſch das Zimmer ſein eignes Lager zu ſuchen, oder ſich wenigſtens der beſchmutzten und zerrißnen Kleider zu entledigen.

Die übrigen Gäſte blieben noch eine Zeitlang, theils po⸗ litiſtrend, theils über die hieſigen Verhältniſſe plaudernd, zu⸗

ſammen, bis endlich Einer nach dem Anderen ſein Glas aus⸗

trank, entweder zu Bett zu gehn, oder die eigene Wohnung aufzuſuchen. Nur ein einzelner Mann, der den ganzen Abend ſtill und lautlos in der dunkelſten Ecke des Zimmers geſeſſen und ſeinen Grog für ſich allein getrunken hatte, ohne mit Einem der Uebrigen zu verkehren, blieb noch zurück und be⸗ ſtellte, als der großäugige Barkeeper vor ihm ſtehen blieb, als ob er ihm ebenfalls andeuten wolle daß es Zeit ſei zu Bett zu gehn, noch ein letztes Glas als Abendtrun!kn.

Als der Burſche hinaus in das Schenkzimmer ging, wo

er ſein heißes Waſſer ſtehen hatte, ihm das zu bereiten, trat der

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