Teil eines Werkes 
3. Bd. (1855)
Entstehung
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Schweſter Bruſt hob ſich in der ſchmerzlichen Erinnerung an das Zurückgelaſſene, aber ſie wollte jetzt nicht jene Bilder heraufbeſchwören und ſagte raſch, der Schweſter Arm berührend und dann nach dem Nachbarſchiffe hinüber deutend, wo ſie eben wieder ein anderes Lied begannen.

„Kennſt Du das, Marie?“

„Noah“ lachte die Schweſter,„Herrn Kellmanns Leiblied, ei wenn er jetzt bei uns wäre, wie er da einſtimmen würde nach Herzensluſt.— Was er jetzt wohl treibt?“

Anna ſchwieg und lauſchte den Tönen, bis ſie in der Nacht verklungen waren.

Die Paſſagiere der Haidſchnucke antworteten dem letzten Lied mit„Schweizers Heimweh“. Wenn aber die einzelnen Schiffe bis dahin allein geſungen, und ſo gewiſſermaaßen einen Wechſelchor gebildet hatten, deſſen einer immer erſt be⸗ gonnen wenn der andere geendet, und dem die Mannſchaft des Schleppdampfers mit lautloſem Schweigen lauſchte, ſo waren die erſten Töne dieſes alten lieben heimiſchen Sanges kaum angeſchlagen, als das Hamburger Schiff ebenfalls mit ein⸗ ſtimmte, und der volle Chor weich und klagend durch die Nacht drang.

Herz mein Herz, warum ſo traurig, Und was ſoll das ach und weh,

S' iſt ja ſchön im fremden Lande— Herz mein Herz, was willſt Du mehr.

Still und lautlos lauſchten die Mädchen den lieben, ſchwermüthigen Klängen, und leiſe, leiſe, mit kaum bewegten