Unterſteuermanns emſig damit beſchäftigt die beiden, auf der
Back liegenden Anker„klar“ zu machen, und die große mäch⸗ tige Kette gliederweis heraufzuheben aus ihrem dunklen Bett, und an Deck auszulegen.
Die meiſten der Zwiſchendeckspaſſagiere glänzten heute in
ihrem Sonntagsſtaat, und ſelbſt Steinert und Mehlmeier waren wie buntfarbige Tagfalter aus ihrer, allerdings etwas unſcheinbaren und ſchmutzigen Verpuppung hervorgegangen. Steinert beſonders war das Erſtaunen der übrigen Paſſagiere, obgleich ſie die Verwandlung hatten Stück für Stück vor ſich gehen ſehn. Er trug vor allen Dingen ein ſchneeweißes ge⸗ plättetes Hemd, das er ſich für dieſen Moment beſonders auf⸗ geſpart, dann eben ſolche Hoſen mit Strippen, ſpiegelblank gewichſte Stiefeln, eine ſehr buntfarbige helle Piquéweſte mit rothen Glasknöpfen, einen blauen Frack mit blanken Metall⸗ knöpfen, eine ſehr dicke blau⸗ und rothſeidene Cravatte mit entſprechenden Vatermördern, und einen höchſt modernen, ſorg⸗ fältig gebürſteten Seidenhut auf dem Kopf, den er nur manch⸗ mal abnahm, ſich in dem darin befindlichen kleinen Spiegel anzuſehn, dann die ſteinbeſetzten Hemdknöoͤpfchen ein wenig mehr zurecht rückte, die goldene Uhrkette mit dem großen Car⸗ niol als letzte Vollkommenheit etwas weiter herauszog, und ſchließlich vollſtändig mit ſich zufrieden war.
Die Frauen und Mädchen kicherten mit einander— das Begräbniß war lange vergeſſen— und manche der Männer amüſirten ſich gerade ſo über ihn, wie ſie ſich vorher über den improviſirten Handwerksburſchen gefreut hatten. Steinert aber
4
—


