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ſchließend, und auch ihm erſtickten unaufhaltſam fließende Thränen die Stimme.
Die Geſchwiſter weinten auch, und der Vater war auf⸗ geſtanden und ein paar Mal mit raſchen Schritten, wie um den Anderen Zeit zu geben, eigentlich aber nur ſeine eigene Faſſung wiederzugewinnen, im Zimmer auf- und abgegangen. Jetzt blieb er neben der Gattin und dem Sohne ſtehn, und ſie langſam trennend ſagte er mit ſanfter, bittender Stimme:
„Kommt Kinder, kommt— macht Euch ſelber nicht das Herz zum Brechen ſchwer; das iſt unrecht. Ueberdies quält Ihr Euch zweimal, und habt morgen früh noch daſſelbe Leid. Es iſt eine lange Trennung, aber keine Trennung für's Leben — wir ſind Alle noch rüſtig und geſund, und werden uns, will es Gott, hoffentlich Alle einmal froh und freudig in die Arme ſchließen können.“
„Aber Du ſchreibſt bald, Georg,“ flüſterte die Mutter ſich mit aller Kraft zuſammennehmend—„Du läßt uns nie lange ohne Nachricht, nicht wahr Du verſprichſt mir das?“
„Gewiß Mutter, gewiß— ſo oft ich kann— aber äng⸗ ſtigt Euch nur auch nicht, wenn einmal ein Brief länger aus⸗ bleibt als gewöhnlich; der Weg iſt weit, und ein Brief kann leicht verloren gehn.“
„So, und jetzt zu Bett Kinder,“ mahnte der Vater—„es iſt ſpät geworden, ſehr ſpät, und Du mußt früh wieder heraus Georg, die Poſt nicht zu verſäumen; ſind Deine Koffer hin⸗ übergeſchafft?“
„Es iſt Alles drüben,“ ſagte die Mutter, ſich aus den
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