Teil eines Werkes 
7 (1843)
Entstehung
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Ebenvild! Mein Robert! Wo iſt er? O ich ſelbſt warf ihn in den Tod hinab! In den ſtarren Todesſchrecken trat Guido, und legte den weinenden, geängſteten Kna⸗ ben in die Vaterarme, an das Mutterherz, und von einem Munde ward er zum andern geriſſen, bis alle drei in einer langen Umarmung ſich vermählten. 8

Still lag Guido's Auge auf Amandens Antlitz, die von einem Lächeln, was Wiederſchein des Himmels war, verſchönt mit betend⸗gefalteten Händen da ſtand; aber Robert ſtand auf und ergriff Guido's Hand. Du haſt den höchſten Schatz mir zurückgebracht, gerettet mir des Lebens ſchönſtes Kleinod, ich will Dir danken, wie ich danken kann! Und ſchnell zog er ihn zu Amanden hin und warf den Sänger an der Jungfrau Bruſt. Der reine Sänger iſt des Kranzes werth, der üppig in dem ſchönſten Lande ſproßte und unter Myrt' und Lorbeer ihm erwuchs.

Und als einige Monate verronnen waren, da erhob ſich auf der Höhe am See wieder ein neues weißes Schloß, und drinnen herzte der tapfere und edle Herr von Leuen ſein treues Weib und krauslockiges Knäblein; und gegen⸗ über wohnte auf dem ſchönen Meierhofe der Sänger

Guido mit ſeinem wunderſchönen Weibchen, und ſang im

Syringeſchatten Wonnelieder auf Frühling und Maien⸗ zeit, und Hymnen auf die ſegnende Vorſicht; doch kein Lied gelang ihm ſo gut als das Wiegenlied, das er für ſeine Cäcilia Amanda dichtete, und welches gar bald alle Weiberchen, hoch und gering, im Lande ihren Kindlein

ſangen an Bett und Wiege, und was angenehm blieb

für ſpäte Zeiten.