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vor auf die Ueberraſchung des trauernden Herzens. Nur von Ferne ſah ſie mich, und erkannte nicht durch das bärtige, benarbte Geſicht ihren Liebling.
Lange ſaßen ſie noch in der Nacht, und er erzählte von ſeinen Hoffnungen, von Bildern lachender Zukunft: Amanda hörte ſtill zu, oft wie ungläubig; auch Guido's ward gedacht, und ſeines zarten, reinen Gemüths, und wie er in kurzer Zeit ſo heimiſch geworden bei ihnen. Robert berührte mit mancher Frage das Herz der errö⸗ thenden Jungfrau. Endlich ſtanden ſie auf, die Ruhe zu ſuchen; da ſchlug es plötzlich heftig an des Gehöftes Pforte, alle Hunde wurden laut, und von der Stadt her klang es dumpf wie Glockenton und Hörnerruf.
Wer da ſo ſpät? fragte Robert.—
Um Gottes willen, kommt heraus, öffnet ſchnell, edler Herr von Leuen! rief Guido's Stimme. Euer Lager iſt bedroht! Euer Liebſtes! des Löwen junge Brut tödten Schlangen!—
Haſtig eilten ſie hinaus, welch ein Anblick ergriff ſie! In Flammen ſtand das weiße Schloß am See, ringsum hell wie am Tage war die Gegend, die Wellen zitterten im Feuerſchein, und der Sturm trieb ſein zerſtörend Spiel mit den immer höher zackenden Feuerzungen.
Kähne! ſchrie Robert furchtbar, und eilte in das Gebüſch, brach mit ſtarker Fauſt der Fiſcherbarke Kette, hineinſpringend und mit Guido die Ruder greifend. Auf die Knie am ufer warf ſich, Hülfe kreiſchend, Amanda. Siehe, da kam wie eine Scene des letzten Gottesgerichts ein ſeltſam Bild vor ihre Augen. Jenſeits auf des Fel⸗ ſens Ecke nämlich erſchien eine ſchwarze, große Geſtalt, in einen Mantel gehüllt, ſtreckte den Arm über den See aus, und rief mit des Grafen Orni dumpfer Stimme:


