Teil eines Werkes 
5 (1843)
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Nein, Hannchen, Du kannſt nicht ſterben. Du wirſt erwachen zu Freude und Glück; denn überall iſt Er zu⸗ gegen, der große Vater im Himmel! Die Unſchuldigen und Gerechten gehen unbeſchädigt aus ſeinen Wettern hervor, aber ſein Gottesgericht findet die Schuld, ſei ſie auch noch ſo verborgen.

Längſt ſind ſie Aſche geworden, der Retter und ſeine Geretteten, welche Tröſtung fanden in treuer Vereini⸗ gung und im frommen, zufriedenen Leben. Aber noch ſtehen in jenem Thale neben der Straße zwei graue, halb verſunkene, dick bemooſete Steinkreuze, und deuten den Platz an, wo die Aſche des tückiſchen Bull und der wilde Werner verſcharrt wurden. Dorf und Herrenhof haben Geſtalt und Namen verändert, aber jener ſchilf⸗ bedeckte Waldteich heißt noch der Hexenteich, und in den Spinnſtuben wird noch das Volkslied vom Flachshann⸗ chen geſungen, und die Spinnerinnen zupfen emſiger da⸗ bei am Rocken, damit auch ihnen einmal ein Traum von Glückszahlen, Haus und Hof und den ſchmucken Freiersmann dazu als Lohn des Fleißes zubringen möge.