502
unglücklichen Unſchuld. Schon ſtand der Gerichtshalter
auf und räuſperte ſich zu der Anrede, auf die er nicht vorbereitet war; da begann wieder ein neuer und der vierte Akt auf dem bunten Theater. Auf des Junkers arabiſchem Gaule ſprengte ohne õ Sattel der ſchnurrbärtige Kutſcher durchs Dorf daher. Weiber und Kinder ſtürzten vor ſeinem donnernden Ga⸗ 3 lopp, die weiße Staats⸗Schabracke ſeines gnädigen Herrn, die er in der Eile vom Stallpfeiler geriſſen, ſchwengte er um ſeinen Kopf, und: Pardon! Pardon! tönte aus ſeinem weit aufgeriſſenen Munde. Das Volk und die Richter machten abermals eine Halbzirkel⸗Be⸗ wegung der neuen Erſcheinung entgegen; doch ehe noch der athemloſe Poſtreiter zu Worte kommen konnte, folgte ihm zu Pferde der Junker Klaus ſelbſt, und hinter ihm eine Anzahl berittener Diener, und nach dieſen ein fremder Mann im goldbordirten Hute und weit ſchei⸗ nenden Rothrocke, von zwei Küraßreitern der fürſtlichen Leibgarde begleitet.
Haltet ein! Man gehe nicht weiter! rief der Junker mit Anſtrengung, ſo wie er ſich Platz gemacht, und ſprang von ſeinem Roſſe. Mein Vater iſt ſo eben ver⸗ ſchieden; ich bin jetzt euer Heer, und ich hebe kraft mei⸗ ner Gewalt Prozeß und Urtheil auf.— Und auch Du wieder hier unter dieſen Wilden, mein armes, tiefge⸗
kränktes Hannchen? ſetzte er dann hinzu in weichern Tönen. Wie kann ich Dir vergelten, was Neid und Haß und Aberglauben Dir angethan?—
Hannchen ſank ganz erſchöpft an ſeinen Knien nie⸗ der; Lüet aber, der ſie unterſtützte, rief hoch auf: Gott iſt gekommen! Gott hat meinen Junker geſchickt! Und nun nehm' ichs mit dem ganzen Bauernvolke auf!
—,———


