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weil ein Rudel muthwilliger Buben ihn mit tödtenden Steinwürfen bedräuete, ohne zu fürchten, daß der ſchwarze Feind in ihm umgehe.—
Der Gerichtshof der Herrſchaft ſaß auf roth beſchla⸗ genen Bänken in der Mitte des Tumultes, zur Seite des Teiches, ehrwürdige Perrükenträger und Altbauern,
von einer Garde bunter Dorf⸗Hellebardierer umringt
und vor dem Andrange der tollen Maſſe beſchützt. Schon war der erſte Akt des gräulichen Trauerſpiels vorüber. Schon war der große Holzſtoß zuſammen ge⸗ brannt, auf dem der ſchlechte Hans Bull geendet hatte. Sein Geheul war verhallt, aber der ſtinkende Dampf wirbelte vom ſchwarzen Pfahle empor und verpeſtete das ganze Thal, und die Frohnknechte ſchürten mit lan⸗ gen Stangen den ungeheuren Kohlenhaufen zuſammen. Jetzt begann eben die zweite Scene der widerſinni⸗ gen Gerechtigkeitspflege. Die alte Stiene Horn, todt⸗ krank und faſt ſinnlos, ward vom Karren gehoben, man band ihr die Hände, und zwei Büttel ſchwangen ſie leicht am Arm und Fuß, und ſchleuderten ſie weit hin⸗ aus hin auf den Teich. Ein einziger Schrei tönte von der ganzen Menge; dann war Alles plötzlich todesſtill vor Erwartung, was geſchehen werde. Der dichte rothe Wollrock der Schwimmenden hat im Wurfe Luft gefan⸗ gen, und breitete ſich aus wie ein Ballon, dazu bekam ſie durch Angſt und Schreck einen Anfall ihres Nerven⸗ übels, und zuckte leicht mit den Gliedern, und— ſiehel ſie ſchwamm über dem Waſſer, und ein friſcher Mor⸗ genwind trieb ſie fort, weithin auf dem Spiegel, ſo daß ſie mit losgegangenem, feuchtem Haare einer Nixe glich die auf ihrem Reiche ſpielt. Das Volk ſchrie laut auf im Erſtaunen, und beklaſchte mit den Händen die ſeltene Fahrt.


