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Laboratoriv. Jetzt lebte die Rachluſt wieder auf in mir, denn ich hatte wieder Muße zum Denken und zum Er⸗ innern; mit Fleiß ſtudirte ich des Doctors Handſchrif⸗ ten, lernte die ſchleichenden Gifte Italiens bereiten, und als mein Meiſter ſtarb, als ich mein ſchönes Vermächt⸗ niß aus ſeiner Erbſchaft empfangen, zog ich nach lan⸗ gen Jahren heim in das Vaterland, kühler, beſonnener, aber nicht weniger rachedurſtig. Im Winkel des Grenz⸗ landes, wo keine Straße vorbeizieht, in einem einſiedle⸗ riſchen Dörfchen, kaufte ich einen kleinen Hof, den auch ihr jetzt mit Sicherheit mit mir bewohnen und dereinſt von mir ererben ſollt; dort lebte ich meinen Racheplä⸗ nen. In hundert Verkleidungen beſuchte ich den Ge⸗ burtsort, drängte mich in das Schloß, und— brauete meine Tränke. Mein Plan iſt vollführt, an meinem Gift verendet der Böſewicht, und ich habe den Genuß gehabt, ſeinem langſamen Sterben nahe zu ſein, habe die Luſt gehabt, ſeine Gewiſſensqual zu nähren und zu mehren. Mag ich ein Sünder ſein vor der Welt und dem erbärmlichen Menſchengeſchlechte, mir bin ich nur ein Würgengel des Himmels, ein Henkersknecht Gottes, und ich gehe getroſt dem ewigen Gericht entgegen.—
Erſchöpft ſchwieg der Alte, und bedeckte ſein Geſicht mit beiden Händen, das Mädchen aber fuhr heftiger, als man von ihr erwarten konnte, aus dem Baume hervor, taumelte einige Schritte fort, und ſank an einem der Steine nieder.
Nein, Herr Ohm, ſagte ſie mit angſtbeklommener Stimme, ich bleibe nicht bei Ihm! Laſſ' Er mich zurück zu meinem Thurme und zu meiner Mutter, die nie ſo ſchlecht ſein konnte, als Seine gräßliche Geſchichte ſie macht.—
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