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Vogelfrei irrte ich nun in den Grenzgebirgen umher; Waldfrucht und Quellwaſſer war Monden lang meine Nahrung; in dieſem hohlen Baume ſchlief ich, aber die Rachluſt feſſelte mich an dieſe Gegend, und tollkühn wogte ich mich oft hinab in das Thal, wo ich glücklich geweſen. Da hörte ich, wie unſere Höfe der Herrſchaft verfallen erklärt wurden, wie man aus gnädigem Mit⸗ leid das Hüttchen am Teiche Deiner Mutter überließ; hörte, wie der gute Hennig Horn im Gefängniſſe ver⸗ hungert, und als Selbſtmörder unehrlich begraben ſei; hörte, wie die untreue Marie verlaſſen umher geirrt, des Kindesmordes verdächtig, zuletzt im Siechenhauſe geſtorben war. Meine Wuth wurde Raſerei! wie die Bärin, der man die Jungen ſtahl, tobte ich durch die Wälder, und in drei Mitternächten ſchwor ich hier auf dieſer Stelle drei Male den Schwur ewiger Rache ge⸗ gen den Teufel, der zwei glückliche Familien endlos elend gemacht hatte.— Man ſpürte mich aufz Jäger und Holzknechte hetzten mich wie einen ſchweißenden Edel⸗ hirſch, trieben mich endlich hinab zur Grenze, wo ich kaiſerlichen Werbern in die Klauen fiel. Mir war jedes recht: das Leben war mir ein wurmſtichiger Apfel, den man fortwirft; die Welt war mir ein Haus der Pein. Ich ſuchte den Tod, da die Rache mir verſagt war. So ward ich bei der Belagerung Wiens unter den Bravſten genannt, und ſchwang mich hinauf aus dem gemeinen Soldatenrocke.
Zu dieſer Zeit lernte ich einen italieniſchen Doktor kennen, der unſere Wunden verband. Ich gefiel ihm, er kaufte mich von den Reitern los, nahm mich mit in des Papſtes Reſidenz, weihte mich ein in die Geheim⸗ niſſe ſeiner Kunſt, und ließ mich arbeiten in ſeinem


