Teil eines Werkes 
4 (1843)
Entstehung
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Der Graf ſchoß ſeine Piſtole in die Luft. Verſöh⸗ nung, Herr Lieutenant! rief er; ich verzeihe und nehme jedes harte Wort zurück. Nein, jetzt iſt nicht Zeit zu ſterben, und nie iſt mir ein Menſch im Leben ſo ſicht⸗ bar als Engel erſchienen, wie dieſer Freund und Vikto⸗ rias⸗Bote.

Gut Wort findet guten Ort! murmelte Stein gut⸗ müthig und brannte ſeine Kugel in den feuchten Raſen hinab. Alle verſtändigten ſich ſchnell, und die feindliche Schaar, wie durch Wunderwerk zu Bekannten und Ver⸗ trauten gewandelt, trabte durch das Feld um die Stadt hin, ſo ſchleunigſt als die Pferde möglich machten, das Landhaus der Baronin zu erreichen.

Sind wir noch immer nicht da? fragte nach jeder zurückgelegten Viertelſtunde der Graf mit ſteigender Un⸗ geduld; als aber endlich der Aſſeſſor auf die rothen Dächer des Schlößchens zeigte und ſeufzend ein Dort! hervorbrachte, da rief Solikow das ruſſiſche Jubelwort? Ura! Dra! und ſeinem Engländer die Sporen eindrü⸗ ckend, flog er querfeldein und würde allein angelangt ſein, hätte das ſchnaubende Roß nicht bei einem gewal⸗ tigen Satze über einen Grenzgraben einen Sturz gethan, der, wenn auch ohne Folgen für Reiter und Pferd, doch den hitzigen Polen zwang, das erſchöpfte Thier zu ſchonen und den Begleitern Zeit zur Nachfolge zu geben. Beſorgt für die reizende, wenn auch ihm verlorene Ka⸗ thinka, ſchlug William vor, allein voran zu traben und die Fürſtin vorzubereiten; doch Graf Aleriew ſchüttelte verneinend das Lockenhaupt. Ich kenne meine Braut, ſagte er triumphirend; der zarte Leib birgt eine Helden⸗