Teil eines Werkes 
4 (1843)
Entstehung
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täglich mehr meine Zuneigung gewann. Verſchloſſen und finſter irrte er oft in den ſchwäbiſchen Waldungen her⸗ um, wohin wir uns geworfen hatten, und oft hörten wir ihn ausrufen, wenn wir beſchloſſen irgend ein Güt⸗ chen oder ein Kloſtervorwerk zu plündern:Nur friſch drauf, Geſellen! Hier dürft ihr nehmen, wenn ich's zu⸗ gebe, denn was ihr findet auf dieſem Boden, iſt mein Eigenthum! Wir lachten heimlich über den Verrück⸗ ten; er ſprach das aber ſo ernſt, als hätte Gott ihm das Schwabenland zum Erbtheil angewieſen. Nur die Heilewich hatte von erſter Stunde an eine beſondere Gewalt über den ſonderbaren Gaſt gewonnen. Recht wohl bemerkte ich, wie er überall ihr Thun und ihre Wirthſchaft verſtohlen beachtete, und ſein Antlitz freund⸗ licher ward, wenn ſie die Theilnahme an einem wilden Gelage verſchmähete oder einen unverſchämten Geſellen tüchtig abfertigte. Bald folgte ſie ihm, wenn er ſeinen ſchwarzen Tag hatte, wie wir ſeine Launen nannten, in die Tiefen der Holzungen; ſie ſchien ſein Vertrauen, ja ſeine Neigung gewonnen zu haben, und eines Tages rief mich der rieſige Riddag ab aus der Mitte der Ge⸗ ſellen, die mit mir dem Becher zuſprachen, und führte mich an eine Waoldecke, von der man die Ausſicht auf ein ſtattliches Kloſter hatte. Ich fand den Jahn auf einem Felſenbrocken ſitzend, gedankenvoll aus ſeinen Flachs⸗ locken hervorſtarrend, mit dem großen blauen Auge auf die langen Fenſter der Kloſterkirche, in deren bunten Glasſcheiben die Morgenſonne ihre Strahlen brach. Zu ſeinen Füßen ſaß die Heilewich im hohen Waldgraſe, hatte ihr Geſicht an ſeine Hüfte gelehnt und ſah mit einem Antlitz zu ihm auf, welches alles verrieth, was zwiſchen ihnen obgewaltet, und die Frömmigkeit des

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