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voller Aepfelbaum im Mai, prangte ſie unter allen Dirnen in der Burg und zog des Ritters Begier gar bald auf ſich. Doch das Mädchen hatte auch ein altweſtphäliſch Herz und derbe Gliedmaßen, und wußte den adeligen Liebhaber in Reſpekt zu halten, daß er ſich ſchämte vor den eigenen Dienern, etwas Gewaltſames zu unterneh⸗ men. Wer weiß, wie's dennoch böslich geendet hätte; da ward der Landvogt unverſehens erſchlagen von einem elenden Ackersmanne, deſſen Weibe er nachgetrachtet, und nicht lange darauf brach der Allarm los im ganzen Schweizerlande; die Gemſenjäger und Alphirten ſchlugen auf das kaiſerliche Volk als wäre der Teufel in ſie ge⸗ fahren; die feſten Schlöſſer wurden erſtürmt ſo leicht als wären ihre Zinnen wohlbetretene Gletſcherfirnen. Wer von den Rittern nicht ein ſchmählig Grab gefunden, mußte ſein Heil ſuchen in ſchimpflicher Flucht, und alle Glorie war aus für uns, ſo weit die eisbedeckten Berge reichten. Daß wir uns ſalvirt zu rechter Zeit, kannſt Du glauben, und was wir mitſchleppen konnten an Klei⸗ nodien und blanker Habe, blieb nicht auf dem Roßberge für die Bauerbengel, die es doch nicht zu ſchätzen wuß⸗ ten. Wir hatten Noth, über die Grenze zu kommen, denn jeder, der nur einen Zug vom Kaiſerreiche im Ge⸗ ſicht, nur einen Reſt einer öſterreichiſchen Feldbinde an ſich trug, war vogelfrei für ihre ſcharfen Bolzen und ſchweren Morgenſterne. In den Tiroler Thälern ſam⸗ melten wir uns und lebten auf eigne Hand ein ſchweres Leben, ſeufzend über die leckern Fleiſchtöpfe Eghptens, welche uns die tollen Bauernfäuſte dicht am Munde zer⸗ ſchlagen hatten. Es ging noch ſo ſo, denn es gab man⸗ chen Reiſenden auf den Gebirgsſtraßen, manchen, der ſein Hab und Gut aus den Kriegslanden ſälbiren wollte


